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u14 marga dolinskiName: Marga Dolinski

Geboren: 1949 in Rotterdam

Familie und Werdegang: Mein Vater war Holländer, meine Mutter ist Berlinerin. Ich hatte noch einen Bruder. Mein Vater war Dachdecker und meine Mutter gelernte Apothekenhelferin. Sie arbeitete dann aber als Schneiderin.

1950, da war ich 1 Jahr alt, zog meine Familie von Rotterdam nach Berlin um. Wir wohnten damals in Mariendorf. Mein weiterer Weg war erst die Grundschule und dann die Absolvierung der Hauptschule.

1964 begann ich eine Lehre als Friseurin. Da habe ich vielen Menschen im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf gewaschen – auch einem jungen Herrn (der damals auch noch viele Haare auf dem Kopf hatte), für den ich mich näher zu interessieren begann. 1968 heirateten wir und zogen um in den Wedding, in den Sprengelkiez. Seitdem wohnen wir am Nordufer, Ecke Samoastraße.

Ich arbeitete hier im Kiez in einem Friseursalon in der Burgsdorffstraße weiter. 1971 wurde unsere Tochter Bettina geboren, 1973 Sohn Thorsten. Es war praktisch: Im Friseurladen konnte ich einen Laufstall aufstellen, dort sah uns dann meine Tochter bei Frisieren zu. So konnte ich meinen Beruf weiter ausüben, ohne dass meine Kinder in irgendeiner Form darunter zu leiden hatten.

Wie kamen Sie in die Osterkirche?

Im Sprengelkiez kommt man an der Osterkirche nicht vorbei. Unsere Tochter Bettina wurde hier 1972 von Pfarrer Scheidhauer getauft. Unseren Sohn ließen wir dann in der Stadtmission in der Stettiner Straße taufen. Wir kamen dazu durch unsere Bekanntschaft mit Pfarrer Siegfried Dehmel – wir wohnen am Nordufer ja sozusagen Tür an Tür.

Und 1974, als meine Tochter 3 Jahre alt war, war es ein Segen, dass ich sie im „Miniclub“ der Ostergemeinde unterbringen konnte. Miniclub – das bedeutete damals, dass die Eltern eng in die Arbeit einbezogen waren. Es gab regelmäßige Elterndienste in diesem Miniclub. Mir machten diese Dienste Spaß.

Als Ende 1974 eine Mitarbeiterin des Oster-Miniclubs ausschied, wurde ich angesprochen, ob ich mich nicht auf diese Stelle bewerben wollte. Gesagt, getan. Ich bewarb mich und wurde genommen. Ab dieser Zeit übte ich die Tätigkeit als Erzieherin aus – mit dem kleinen Wermutstropfen, dass, weil ich dafür nie eine formale Ausbildung abgeschlossen hatte, ich deshalb auch nie ein Zertifikat in den Händen halten konnte, auf dem stand: Marga Dolinski, Erzieherin.

Diese neue Tätigkeit bedeutete, dass ich mehr und mehr in die Aktivitäten der Gemeinde einbezogen wurde. Meine Kindergruppe – das waren Kinder im Alter von 3 bis 5 Jahren. Dabei waren die Eltern weiterhin ein wichtiger Teil der Miniclubarbeit. Anfangs waren in meiner Gruppe bis zu 25 Kinder, die ich an den Vormittagen betreute.

In der Gemeinde traf ich auf Pfarrer Reimer Piening und Hans-Peter Meyendorf. Zu beiden sollte sich schnell auf Grund der Tätigkeiten, aber auch ihrer Persönlichkeiten, eine enge und tiefe Freundschaft, ein tiefes Vertrauen entwickeln, das bis heute gehalten hat. Anfang der 1980er Jahre machten wir uns Gedanken, wie wir diesem Miniclub in der Ostergemeinde auch räumlich ein eigenes Standbein verschaffen könnten. Ich schlug vor, einen Teil der früheren Gemeinderäume in der ersten Etage des Seitenflügels – einen großen Raum mit Küche – dafür herzurichten. Nach einigem Hin und Her ging es dann los. Wir beförderten den Entscheidungsprozess durch unser Angebot, im Gegenzug die beiden Gemeindesäle im ersten Stock des Vorderhauses mit zu renovieren (heute die Pfarrwohnung). Das taten wir dann auch – mein Mann war tatkräftig mit dabei.

In den 1980er Jahren wurde ich dann auch in den GKR der Ostergemeinde gewählt. Dort wirkte ich 6 bis 7 Jahre lang mit. Ich war sehr aktiv im Bauausschuss und arbeitete dann auch in einem extra eingerichteten Geschäftsführungsausschuss mit.

Was war bzw. ist Ihnen an der Osterkirche wichtig?

Die Kirchengemeinde und meine Familie – für mich war das alles eine erfüllte Zeit. Es gehörte für mich zusammen. Ich empfand die Gemeinde, die mir anvertrauten Kinder zumal, wie einen Teil meiner Familie. Es war immer „Leben in der Bude“.

Den Kirchraum verwandelten wir hin und wieder in ein großes Zelt, das damals Reimer Piening angeschafft hatte. Wir feierten sogar Gottesdienste unterm Zeltdach – was einige in der Gemeinde aber mit gemischten Gefühlen aufnahmen, weil dadurch der Blick auf den Altar nicht mehr möglich war. So eine Zeltkonstruktion in die Kirche einzufügen, war gar nicht so einfach. Es musste ein starkes Drahtseil zwischen den beiden Emporen gespannt werden. Es galt, feuerfeste Vorhänge anzuschaffen und anzubringen – da war ich dann wieder zusammen mit anderen aktiv. Wir hatten große Osterfrühstücke unterm Zelt. So ein Zelt – das war für Reimer, Hans-Peter und mich so ein kleiner Anklang an unsere geheimen Vorlieben für die Bräuche der Indianer: einfaches Leben unter dem Sternenhimmel, Gemeinschaft mit den Mitmenschen und der Natur.

In der Osterkirche fand ich damals schön, dass wir so viele Dinge ausprobieren und machen konnten, dass so viel Leben möglich war. Ich konnte meine wuselige Natur ausleben. Feste der Sinne, Trommelkurse, Jazz-Dance-Kurse, Kinderzirkus, einen Gymnastikkurs am Montagabend – ich war damals an vielen Stellen dabei, Pflöcke einzuschlagen. Ich freue mich, dass mit anderen Menschen eine ganze Menge dieser Dinge bis heute geblieben, teilweise auch wiederbelebt worden ist.

Im Miniclub und später dann im Teeny-Club empfand ich es als unglaublich bereichernd, mit den vielen Jugendlichen arbeiten zu können. 1987 nahm ich zum ersten Mal an einer Schwedenreise teil. So viel Zeit mit Kindern zu verbringen und zu erfahren, wie sie sich zunehmend öffnen und so gegenseitiges Vertrauen entsteht – das hat mich immer stark berührt. Die gemeinsame Konfi-Arbeit mit Reimer Piening und Hans-Peter Meyendorf – das war eine Zeit, wo wir intensiv auf die jungen Menschen eingehen konnten.

Mit vielen Menschen – damals waren es Kinder und Jugendliche, die erst in meinem Miniclub waren, dann im Teeny-Club, später in der Konfi-Gruppe der Ostergemeinde – habe ich noch heute engen Kontakt. Wir treffen uns im Kiez beim Einkaufen, ich werde von allen Seiten angesprochen. Für diese Kinder von damals bin und bleibe ich „Marga“, und irgendwie bleiben sie alle „meine“ Kinder, meine Großfamilie. Damals habe ich im Teenyclub mittags für die 10 bis 12 Kinder gekocht – und es saßen dann immer um die 20 Menschen mit am Tisch, um meine leckeren Aufläufe zu verputzen. Heute werde ich von den Kids von früher zu Geburtstagsfeiern eingeladen. Ich bin dabei, wenn geheiratet wird, wenn die früheren Mini-Club-Kinder heute ihre eigenen Kinder bekommen.

Die Auflösung des Mini-Clubs Mitte der 1990er Jahre empfand ich schon als Zäsur. Aber es gab ja noch meinen Teeny-Club und die Konfirmandinnen und Konfirmanden, die gemeinsamen Reisen, die Freizeiten, das intensive Miteinander. Als ich im Jahr 2002 auf eigenen Wunsch und nach einigen Schwierigkeiten in den letzten Jahren aus der Arbeit ausschied, ging ein langer und prägender Lebensabschnitt zu Ende. Ich war traurig über die Umstände meines Ausscheidens. Aber es ging nicht anders.

Ich habe seitdem zur Ostergemeinde auch ein wenig „die Schranken heruntergelassen“, obwohl ich zu den „Oldies“, zu Reimer Piening, zu Hans-Peter Meyendorf, zu Siegfried Dehmel, zu Gabi Lindenmüller, zu Gudrun Felling und anderen weiterhin einen guten und freundschaftlichen Kontakt habe. Aber viele, die in der Ostergemeinde heute aktiv sind, kenne ich gar nicht mehr.

Aber ich erzähle so viel. Wie war noch mal die Frage? - Was verbindet mich mit der Osterkirche?

1.) Ich habe dort mein halbes Leben verbracht – bei der Arbeit, in der Gemeinde.

2.) Ich habe so viele Freunde und Bekannten aus all diesen Jahren.

3.) Ich kenne so viele Kinder aus den vielen Jahren, die mir durch die Reisen und anderen gemeinsamen Aktivitäten ans Herz gewachsen sind. Es gab diese Oster-Familie, sie war eins.

4.) Ich fühle mich irgendwie als ein Kiez-Urgestein – durch die Gemeinde kennt jeder jeden. Wenn ich einkaufen gehe, dauert es lange, weil ich so viele Menschen treffe, die ich kenne.

5.) Über Oster war und bleibe ich eingebunden in das Leben meiner Mitmenschen in diesem Kiez. Ich nehme an ihrem Leben teil – und sie an meinem.

Welche drei Wünsche haben Sie für die oder an die Osterkirchengemeinde?

1.) Noch mehr engagierte junge Menschen, die sich für diese Gemeinde interessieren.

2.) Hans-Peter Meyendorf soll noch ganz lange diese Musikveranstaltungen machen können, die die Ostergemeinde so bereichern.

3.) Ich hoffe, dass Reimer Piening noch lange genug lebt, um mich beerdigen zu können, wenn ich einmal sterbe. Ich habe so viel von ihm gelernt.

Was ist Ihre Lieblingsstelle in der Bibel?

Meine Lieblingsstelle in der Bibel ist die Weihnachtsgeschichte, die uns Christen seit Urzeiten erzählt wird. Diese Geschichte ist so faszinierend. Man kann sie den Kindern wunderbar vorlesen und sogar vorspielen. Ich erinnere mich an die mitternächtlichen Gottesdienste am Heiligen Abend. Wir haben die Weihnachtsgeschichte bildlich darzustellen versucht, mit Kerzen, mit Düften und sogar mit Gerüchen von früher.

Was ist Ihr Lieblingslied im Gesangbuch?

Vielleicht nicht im Gesangbuch – aber in diesem roten Liederbuch „Mein Liederbuch“ ist mein absoluter Favorit „Herr Deine Liebe“ (B 14). Mit Pfarrer Hajo Nocke, der wie ich einen holländischen Hintergrund hat, haben wir mit den Konfis dieses Lied oft gesungen. Es war und bleibt für mich eine schöne emotionale Erfahrung, dieses Lied.

Ein Schlusswort

Ich habe es damals bei meinem Abschied im Jahr 2002 im Gemeindeblatt „Osterkirche“ geschrieben – dieses Lebensmotto bleibt für mich bestehen: Willst Du glücklich sein im Leben, trage bei zu Anderer Glück; denn die Freude, die wir geben, kehrt ins eigene Herz zurück.

Meinen Wunsch von damals, den möchte ich hier gerne bekräftigen: Mögen die Menschen mehr Zeit für- und miteinander haben und sich gegenseitig wahrnehmen.