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u12 hans-peter meyendorfName: Hans-Peter Meyendorf

Geboren wurde ich 1955 in der badischen Kleinstadt Oberkirch am Rande des Schwarzwalds, umgeben von Weinbergen im Osten und Obstplantagen bis zum Horizont im Westen, nur durch ein paar Kilometer von der französischen Lebensart getrennt.

Familie und Werdegang: Meine Eltern, Nachkriegsflüchtlinge aus dem Berliner Umland, verspürten, als ich so ungefähr den 6. Geburtstag erreicht hatte, ein nicht mehr zu bremsendes Heimweh. Und so zogen wir 1961 nach Berlin Moabit. Schon unsere damalige Adresse war (das wusste ich damals aber nicht) nur etwa einen Kilometer von der Osterkirche entfernt.

Da ich, im Gegensatz zu meinen Eltern, von der Idee, nach Berlin umzuziehen, nicht wirklich begeistert war, beobachtete ich diese Stadt mit Argwohn und Skepsis. Schnell wuchs in mir die Überzeugung: wenn du hier Erfolg haben möchtest, musst du entweder Zirkusclown oder Polizist werden.

Und genau das waren meine Berufswünsche, die ich in einer Konfirmandenstunde dem Pfarrer vortrug. Da wir schon eine gewisse Wegstrecke miteinander verbracht hatten, glaubte er mich etwas realistischer einschätzen zu können und war der Meinung, ich müsse unbedingt etwas im sozialen Bereich machen, etwas mit Kindern oder Jugendlichen, möglicherweise bei einer Kirchengemeinde. Nun ja, dass er ein scharfsinniger Beobachter war, wusste ich bereits. Dass er auch prophetische Fähigkeiten hatte, wurde mir schon bald mehr als deutlich.

Zunächst absolvierte ich nach dem Realschulabschluss ein „Diakonisches Jahr“; und jetzt ging die kirchliche „Karriere“ los – in einem Kinderheim im evangelischen Johannesstift Berlin-Spandau. Anschließend Ausbildung zum Erzieher. Es folgten 7 Jahre in der Kita der Stephanusgemeinde im Wedding. Während dieser Zeit machte ich eine Zusatzausbildung zum Vorschulpädagogen. Da ich so ganz nebenbei auch Vater zweier Söhne wurde und sich ein Betreuungsproblem einstellte, kam uns eine „Ministelle“ für Jugendarbeit in meiner Heimat/Heilandsgemeinde in Moabit gerade recht. Die Grundidee: meine Frau (Lehrerin) ist vormittags im Einsatz, ich widme mich den Kindern und dem Haushalt; nachmittags kümmert sie sich um die Kinder und um ihre Vorbereitungen und ich bin in meinem Minijob. Was sich damals noch nicht bis zu mir herumgesprochen hatte war: Kirche und Teilzeitstelle geht nicht!

Wie kamst Du in die Osterkirche?

Es war mithin ein Segen, dass ich die damalige Mitarbeiterin in der Osterkirche für Kinder– und Jugendarbeit kannte. Dadurch erfuhr ich als einer der ersten von ihrem Wunsch, diesen Arbeitsplatz zu verlassen. Da man mich, wahrscheinlich am ehesten noch wegen meines Bewerbungsfotos, für geeignet hielt, nahm ich am 1. März 1985 meine Arbeit in der Osterkirche auf. Und das alles wegen meines Pfarrers, der entweder nicht wusste oder es mir bewusst nicht verraten hatte, dass zwischen Clown und Polizist auf der einen und kirchlichem Mitarbeiter auf der anderen Seite kein so gravierender Unterschied besteht: immer die Mischung aus Entertainer und aufpassen, dass nichts passiert.

Als ich vor 25 Jahren in der Ostergemeinde meine Arbeit aufnahm… - … nein, so kann ich das nicht anfangen.

Mein erster Arbeitstag in der Osterkirche begann mit einer Montagmorgenandacht, und zwar in der Taufkapelle. So hieß damals der Raum, der heute als „Plauderecke“ oder schlicht als Gemeinderaum bekannt ist. Versammelt waren alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das bedeutete 10 fest angestellte Kolleginnen und Kollegen! Anschließend war, unter der Leitung des gestrengen Pfarrers Scheidhauer, Mitarbeiterbesprechung. Hierzu wechselten wir den Raum – das ging damals noch. Die Besprechung fand im ersten Stock des Gemeindehauses statt. Hier befanden sich die Gemeinde- bzw. Konfirmandensäle (durch Falttüren konnten sie zu einem großen Saal verbunden werden), das GKR–Zimmer (auch die Mitarbeiter durften hier tagen), die Gemeindeküche, Toiletten und der Miniclub. Inzwischen sind hieraus zwei Wohnungen geworden.

Der andere, etwas freakige Pfarrer (Reimer Piening – er wurde so etwas wie mein Mentor), führte mich anschließend durch Haus und Kirche.

Und was soll ich sagen – eigentlich ist heute nichts mehr so wie am 1. März 1985. Na ja. Der Altar steht noch, Kanzel, Taufbecken und Orgel auch. Und ansonsten ist es so geworden wie der Leitspruch im Altargewölbe wohl schon von Anbeginn vorsah: Jesus Christus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben!

Was ist Dir an der Osterkirche wichtig?

Die Kirche ist zum Lebensraum geworden – ein echter Gewinn und gleichzeitig die gewaltigste Veränderung, die das Haus wohl je mitgemacht hat (wenn man die Teilzerstörung am Ende des 2. Weltkriegs mal weglässt).

Davon war an meinem ersten Arbeitstag 1985 jedoch noch nichts zu sehen. Zu spüren war jedoch, dass sich die Zusammenarbeit mit Reimer Piening gut anließ. Vom ersten Augenblick an haben wir uns prächtig verstanden und in den folgenden Jahren so manches miteinander erlebt. Hierzu wird in der Serie „Lagerfeuergeschichten“ in den nächsten Heften einiges zu lesen sein.

An diesem 1. Arbeitstag tat ich auch etwas, das ich in den folgenden Jahren immer mal wieder tat: ich verordnete mir einen Spaziergang durch den Sprengelkiez. Ich wollte schließlich wissen, wo ich gelandet war. Und ich muss schon sagen: von meinem ersten Eindruck bis zum heutigen Erscheinungsbild hat der Kiez eine beachtliche, positive Entwicklung durchgemacht. Die Gegend erschien mir am Anfang düster, trist, total verarmt, in Teilen heruntergekommen. Allein schon durch die große verschwundene Industriebrache - heute ist dort der Sprengelpark - hat der Kiez gewonnen. Es gibt bessere Spielplätze, eine attraktive Nationenmischung, bei der der klassische Weddinger nicht untergeht, interessante Kneipen, viele engagierte Menschen und eine Kirche, die sich mitten drin immer mehr zu einem Raum der Begegnung entwickelt.

Welche drei Wünsche hast Du an die Osterkirchengemeinde im Jahr 2010?

Nun fragt der Chefredakteur nach drei Wünschen.

Nun, Wunsch 1 schließt direkt an den vorherigen Satz an: Möge die Osterkirche sich als Kirche der Begegnung im Sprengelkiez weiterentwickeln.

Wunsch 2 ist schon schwieriger zu realisieren. Immer wieder wird von Besuchern unserer Kirche (meist bei Konzerten) die wunderbare Atmosphäre in unserem Haus gelobt. Ich werde dann immer ganz traurig, wenn ich daran denke, dass es eigentlich an allen Ecken und Enden knirscht, der Wind durch alle Ritzen pfeift, die Heizung vor allem zum Dach heraus heizt und immer die Gefahr besteht, dass sich unerfahrene Besucher an unseren Stühlen ´nen Splitter einreißen könnten. Und hier kommt der Wunsch: Lasst uns jetzt konsequent daran arbeiten, die Substanz dieser Kirche zu erhalten!

Wunsch Nummer 3 ist auch nicht leichter zu realisieren. Weiter oben erwähnte ich die Mitarbeiterbesprechung am 1.3.1985 mit 10 Mitarbeitern. Nur ein paar Wochen später waren es nur noch 9! Eine Kollegin ging in den Ruhestand, die Stelle wurde nicht wieder besetzt, das „Stühlerücken“ nahm seinen Lauf. Zwischenzeitlich, das ist nicht lange her, war ich für ein paar Monate „Hans–Peter Meyendorf allein zu Haus“. Das hat sich wieder ein wenig verbessert. Ich weiß, es liegt nicht allein in unserer Hand.

Trotzdem heißt mein dritter Wunsch: Lasst uns verhindern, dass ich eines Tages zum letzten Mohikaner werde. Dabei geht es nur am Rande um mich. Noch haben wir etwas mehr als 2000 Mitglieder, die etwas von ihrer Gemeinde erwarten.

Der Schlingel von Chefredakteur fragt noch nach einem geheimen vierten Wunsch. Nun fällt mir doch noch was Persönliches ein. Aber das verrate ich nicht.

Was ist Deine Lieblingsstelle in der Bibel?

Meine Lieblingsstelle in der Bibel ist eigentlich die gesamte Bergpredigt (Mathäus 5 - 7). Die entsprechenden Seiten in meiner "Wald- und Wiesenbibel" (sie hat einen Plastikeinband und hat mich schon oft auf Jugendreisen begleitet) sind schon ganz abgegriffen, um nicht zu sagen: "leer zitiert".

Aber meine "Lieblingsecke" in diesem umfangreichen Text ist dann Math. 7 Vers 12: "Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch! Das ist das Gesetz und die Propheten." Ein schöner Versuch, seine Beziehungen zu Menschen zu gestalten, aber auch eine riesige Herausforderung.

Was sind Deine Lieblingslieder im Gesangbuch?

Mein Lieblingslied ist "Morgenlicht leuchtet" , Gesangbuch Nr. 455. In diesem Lied spiegelt sich für mich die ganze Schönheit der Schöpfung. In der Natur spüre ich am ehesten Gottes Nähe, hier kann ich mich fallenlassen und Andacht halten. Daher passt dieses Lied einfach zu mir.