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u11 erika hauserName: Erika Hauser

Geboren: geboren 1939 in Berlin-Reinickendorf

Familie und Werdegang: Ich bin das vierte Kind meiner Eltern, insgesamt waren wir zu Hause sieben Geschwister – vier Jungen und drei Mädchen.

Unsere Eltern waren evangelisch, meine Mutter war sogar ausgeprägt lutheranisch geprägt und hat uns Kinder auch in diesem Geiste erzogen. Mein Vater hat seine Beziehung zur Religion, zu seinem Glauben, im Krieg verloren. Er wurde schwer verwundet und hat immer gegrübelt: Warum hilft Gott nicht? Wo bleibt die Hoffnung?

Eingesegnet wurde ich in Berlin-Heiligensee im Jahr 1955. Neu und ungewohnt war für mich, dass mich Nachbarn und Lehrer ab diesem Tage siezten. Zur Konfirmation musste jede und jeder von uns eine Bibelstelle auslegen. Bei mir war es das Gleichnis von Jesus als Sämann. Erst später habe ich die Botschaft dieses Gleichnisses so richtig verstanden.

Beruflich arbeitete ich im Buchhandel und als Verkäuferin. Bücher waren und sind meine Welt. Ich habe einmal sogar ein Buch selbst geschrieben. Es ging über ein Mädchen, eine Verwandte, die ich kannte – es ging um ihre Erfahrungen als Jugendliche. Mein damaliger Chef im Buchladen hatte dafür nichts übrig. Er sagte nur: „Sie sind nichts Besonderes.“

Geheiratet habe ich im Jahr 1972. Mein Mann kam aus dem Sudetenland, er hatte schwarze Haare, so dass meine Mutter anfänglich dachte, ich würde ihr einen Mann aus einem fremden Land mitbringen. Das Missverständnis konnte aber schnell aufgeklärt werden. Als Sudetendeutscher war er aber ein Mensch, der durch eine gewisse Eigenwilligkeit, die man den Sudetendeutschen zuschreibt, gekennzeichnet war.

Wie kamen Sie in die Osterkirche?

Mit meiner Heirat zogen mein Mann und ich in den Sprengelkiez – in die Tegeler Straße. Mein Mann war Katholik. Mit unserer Ehe begann für mich – durch ihn ausgelöst – ein sanftes Hinführen zum katholischen christlichen Glauben. Gleichzeitig lernte uns der evangelische Pfarrer der   Osterkirchengemeinde kennen – wir begegneten uns bei Spaziergängen im Kiez, am Nordufer. Er lud uns in die Osterkirche ein.

1973 trat ich in die Katholische Kirche über – und gleichzeitig war ich in der Osterkirchengemeinde als Helferin in den Kindergottesdiensten aktiv. Was mir hier besonders gefiel, war, dass die Kinder im Kindergottesdienst Kinder sein durften. Heute nennt man das „kindgerecht“. Ich finde: Kinder brauchen Freiheiten. Bis 1982 war ich als Kindergottesdiensthelferin in der Osterkirchengemeinde aktiv.

Meinem Übertritt in die Katholische Kirche im Jahr 1973 ging eine einjährige Vorbereitung mit einem jesuitischen Pater voraus. Und vorher schon hatte ich durch meinen Mann die Beichte kennengelernt. Darüber gibt es heute viele Missverständnisse. Ich finde an der Beichte schön, weil man so über eigene Fehler und Fehltritte, über Versagen und Sünden reden kann. Dies bringt Erleichterung. Man bereitet sich auf die Beichte vor und geht zu „seinem“ Beichtvater- dem Priester, dem man vertraut. Die Beichte habe ich nie als Bestrafungsritual wahrgenommen. Beichten ist, sich selber besser zu verstehen, die eigenen Beweggründe, warum man Dinge tut – aber es ist auch, dass man Auswege aufgezeigt bekommt, wie man ein besseres Leben führen kann.

Dieses „Beichten“ kenne ich übrigens schon aus meiner Kindheit. Wenn sich bei uns 7 Kindern früher jemand daneben benommen hatte, kümmerte sich mein Vater darum. Wir mussten vor ihm stehen und ihm in die Augen sehen. Er befragte uns so lange, bis klar war, was wir „ausgefressen“ hatten. Und dann gab es eine Strafe – aber wir fühlten uns als Kinder auch erleichtert.

Was ist Ihnen an der Osterkirche wichtig?

Ich mag diese Stille in der Kirche, wenn ich mich dort tagsüber einmal dorthin setze. Ich kann es gar nicht genau begründen. Bei dieser Stille finde ich zu mir selbst. Ich kann frei über die Dinge nachdenken, die mir im Kopf und im Herzen herumgehen. Ja, ich fühle mich richtig geborgen in der Osterkirche, wenn ich dort so sitze.

Weil ich als Katholikin mit evangelischen Wurzeln auch vergleichen kann, muss ich sagen: Der feierliche Rahmen eines katholischen Gottesdienstes gefällt mir sehr gut. Der Priester zieht mit seinen Ministranten ein, die Gemeinde erhebt sich und erweist dem Priester Ehre. Dieser feierliche Rahmen ist gut für die Seele, man kann und darf sich daran erfreuen.

Welche drei Wünsche haben Sie an die Osterkirchengemeinde im Jahr 2009?

1.) Wahren Glauben – ein gläubiges Herz.

2.) Die Vergebung der Sünden soll offener stattfinden. Es ist schön, Vergebung zu erfahren.

3.)Mehr gelebte Ökumene. Ich wünsche mir, dass der Martinsumzug 2010 wieder gemeinsam von der St-Joseph-Gemeinde und der Evangelischen Osterkirchengemeinde mit den Kindern aus beiden Gemeinden und den Kindern der Osterkita geplant und durchgeführt wird. St. Martin – das ist schließlich ein Heldenstück. St. Martin kann für Kinder auch heute noch Vorbild für gelebte Nächstenliebe sein.

Was ist Ihre Lieblingsstelle in der Bibel?

Die Geschichte vom Barmherzigen Samariter.

Was sind Ihre Lieblingslieder im Gesangbuch?

Alle Lieder von Paul Gerhard, sie gehen mitten durchs Herz. Und die Lieder mit den Texten von Martin Luther.

 

Erika Hauser ist im September 2010 in Berlin verstorben. Sie wurde 71 Jahre alt.