November 2018
Mo Di Mi Do Fr Sa So
29 30 31 1 2 3 4
5 6 7 8 9 10 11
12 13 14 15 16 17 18
19 20 21 22 23 24 25
26 27 28 29 30 1 2
November 2018
Mo Di Mi Do Fr Sa So
29 30 31 1 2 3 4
5 6 7 8 9 10 11
12 13 14 15 16 17 18
19 20 21 22 23 24 25
26 27 28 29 30 1 2

u01 elisabeth menzeName: Elisabeth Menzel

Geboren: 1920 in der Sprengelstraße. Mein Vater war bei der Post, die Mutter war Hausfrau.

Meine ersten Stationen: Zur Grundschule ging es eine Straße weiter zur Tegeler Straße (heute: Gebrüder-Grimm-Schule). Danach ging ich zum Lyzeum und machte meinen Abschluss mit Mittlerer Reife. Anschließend besuchte ich die Haushaltungsschule und noch ein halbes Jahr die Handelsschule – hier setzte der Beginn des Zweiten Weltkrieges ein vorzeitiges Ende. Meine erste Berufsstation trat ich als Kontoristin und Stenotypistin an.

Meine Familie: Ich habe am 13. April 1946 in der Osterkirche geheiratet, also vor 62 Jahren. Die Osterkirche war durch den Krieg noch stark in Mitleidenschaft gezogen worden, deshalb fand die Trauung in einem der Gemeindesäle statt, dort, wo heute Wohnungen sind. Die Organistin, Frau Borchert, war zum festgesetzten Zeitpunkt noch nicht da, wir mussten warten, bis sie von ihrer Wohnung am Nordufer geholt wurde. Anstatt einer Orgel, die nach dem Krieg danieder lag, gab es damals nur ein Harmonium.

Meine beiden Kinder, Winfried (geboren 1946) und Reinhard (geboren 1948), wurden beide in der Osterkirche getauft und besuchten später auch den Kindergarten, der sich im Erdgeschoss des heutigen Wohnhauses befand. Für mich bestand so die Möglichkeit, zeitweise, halbtags, eine Aushilfstätigkeit im Pfandbriefamt anzunehmen. Mein Sohn Winfried wurde in der Osterkirche konfirmiert, mein jüngerer Sohn in der Dankesgemeinde, in deren Einzugsbereich wir dann umgezogen waren.

Ich bin schon viele Jahrzehnte bei der Ostergemeinde. Ich habe bis heute, bis zu Frau Pfarrerin Greupner, insgesamt schon 14 Pfarrer und Pfarrerinnen erlebt. Ich fühle mich in der Gemeinde gut aufgehoben – fast ist es wie eine Familie, meine Familie.

Was war, was ist Ihnen an der Ostergemeinde wichtig?

Die Osterkirche, die Ostergemeinde, sind für mich Heimat geworden. Hier habe ich über die vielen Jahre Menschen kennen gelernt, mit denen ich einen großes Stück des Lebensweges gemeinsam gegangen bin.

Die Osterkirche war mir oft ein Ort des Trostes und der inneren Stärkung.

Die vielen Gottesdienste, auch Abendgottesdienste an Sonnabenden, haben mein Leben bereichert.

Worin bestehen weitere Bindungen an die Ostergemeinde?

Nach dem Tode meines Ehemannes wurde ich im März 1970 gefragt, ob ich mir vorstellen konnte, als Nachfolgerin für Frau Kießling im Pfarrbüro von Pfarrer Wasserfall anzufangen. Ich sagte zu und war dort bis zum 31.12.1980 tätig, erst für Pfarrer Wasserfall, dann für Pfarrer Scheidhauer. Damals, 1970, hatte die Ostergemeinde noch 10.500 Gemeindeglieder.

Pfarrer Wasserfall legte mir eindringlich ans Herz, wie wichtig es sei, sich persönlich um die Gemeindeglieder zu kümmern. Wir unternahmen regelmäßig Besuche zu vielen Menschen in der Gemeinde, sprachen mit den Eltern von Konfirmanden. Jeden Monat trugen wir – neben mir noch Frau Krüger und Frau Werner – das Gemeindeblatt aus. An der Tür bekamen wir oft auch kleine Geldbeträge, so dass wir im Anschluss jedes Mal einen nennenswerten Betrag zusammen hatten.

Dieser direkte Kontakt zu den Menschen in der Gemeinde, dieser Besuchsdienst, war mit viel Treppensteigen verbunden. Briefkästen im Erdgeschoss, die gab es damals noch nicht. Wir wurden von Gemeindegliedern in die Wohnung gebeten – da ergaben sich viele Gelegenheiten zu Gesprächen über ganz Persönliches im Alltag, über Freuden und Sorgen. Wir waren bei vielen Menschen willkommen.

Welche drei Wünsche hätten Sie an die Ostergemeinde im Jahr 2008 ?

Ich würde mich freuen, wenn die Gottesdienste – so wie früher – wieder besser besucht werden würden, so wie jetzt kürzlich zum Festgottesdienst zu 100 Jahren Ostergemeinde. Da war die Kirche mal wieder rappelvoll, und das war eine schönes Erlebnis. Es war früher die Regel, dass die Osterkirche randvoll mit Menschen war. Es gab sogar an Samstagen und Sonntagen noch Abendgottesdienste.

Ich wünsche mir, dass sich mehr Menschen für die Kirchengemeinde, für den Nächsten, einsetzen, sich auch in der Gemeindearbeit wieder stärker engagierten.

Es wäre schön, wenn wir auch wieder mehr jungte Menschen an die Gemeinde binden könnten.

Und wenn mir ein vierter Wunsch – ein Herzenswunsch – erlaubt sei: Ich wünsche mir und uns allen, dass wir Frau Greupner für lange Zeit als Pfarrerin in unserer Gemeinde behalten können.

 

Elisabeth Menzel ist im März 2010 in Berlin verstorben. Sie wurde 90 Jahre alt.