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2012 Christa Paul kl DSCN0412Name: Na, wer kennt mich (nicht) ? Christa Paul

Geboren Januar 1935 in Berlin im Paul-Gerhard-Stift.

Familie und Werdegang:

Aufgewachsen bin ich im Wedding, in der Neuen Hochstraße. Meine Mutter war Modellschneiderin, mein Vater Konstrukteur.

Mit 4 Jahren hatte ich ein einschneidendes Erlebnis: Vater und Mutter hingen mit unglaublich betroffenem Gesichtsausdruck am Volksempfänger (Radio): Der Krieg war ausgebrochen. Bei den Kämpfen vor Moskau (Rshew) wurde mein Vater als Kanonenfutter verheizt. Nun musste meine ängstliche Mutter mich, ihr einziges Kind, alleine durchbringen.

Wir zogen zu Verwandten nach Schlesien, um den Berliner Bombennächten zu entgehen. Daraus ergab sich, dass wir mit den Schlesiern vor der Russischen Armee herflüchten mussten, teils hinter Ochsenkarren her, teils in völlig überfüllten Zügen bei Tieffliegerangriffen und durch brennende Städte hindurch. Da habe ich beten gelernt. Es kamen freikirchliche Frauen durch den Zug und sagten uns: „Betet, das ist jetzt die einzige Hilfe!“ - Ja, wie denn? Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm ? - „Das auch, aber sagt Ihm eure Angst und bittet Ihn um Hilfe, dass wir hier alle heil herauskommen und Gott uns auch weiterhin in unserem Leben führt und leitet.“ Eine Frau in unserem Abteil betete mit uns. Ich betete still weiter. Seitdem habe ich nicht mehr damit aufgehört.

Es folgte 1945 ein Jahr bei frommen Bauern in Franken. Wir lebten wie die Maden im Speck! 1946 gelang es uns, wieder zu unserer Familie nach Berlin zurückzukehren. Ich besuchte das Gymnasium, verließ es aber nach der 10. Klasse (mit lauter Zweien auf dem Zeugnis), weil ich unbedingt Geld verdienen wollte. Damals lebten wir vom Krankengeld meiner Mutter. Ich wurde Beamtin (Diplomverwaltungswirtin).Das führte dazu, dass mich 1961 mein Vorgesetzter heiratete, weil wir uns nach der Dienstzeit nicht mehr trennen konnten. Unsere drei Kinder folgten in kürzesten Abständen. Dann gab es die Antibabypille. Ich kündigte , um bei meinen Kindern sein zu können.

Schon während meiner Konfirmandenzeit in der Kapernaumkirche war ich jedes Jahr beteiligt beim „Büchsenfest“ für die KALAHARI-MISSION, damals Süd-Afrika, heute Botswana. Wir sangen, führten Sketche vor, tanzten Volkstänze.

Nach meiner Konfirmation blieb ich im Mädchenkreis (von meinem Onkel als „Verein ungeküsster Jungfrauen“ bezeichnet), und mit zunehmendem Alter zählten wir bei den Büchsenfesten dann auch das Geld. In Kapernaum besteht die Missionstradition seit 1904. Ich nehme an, dass es in der Ostergemeinde ähnlich war, denn die Pfarrer beider Gemeinden waren eng befreundet.

Die Partnerschaft zwischen dem Kirchenkreis Wedding und der Kalahari-Region wurde 1971 begründet: Beide Gemeinden setzten sich maßgeblich dafür ein. So lernte unser Mädchenkreis auch die Missionarin Frau Anneliese Lüling kennen, wenn sie während ihrer Deutschlandaufenthalte in den Gemeinden von ihrer Missionsarbeit berichtete. „ Mädchenkreis“ traf bald nicht mehr auf uns zu, denn wir waren fast alle verheiratet, also wurden wir zum Missionskreis, den meine Freundin Renate Schulz leitete. Sie hat in den nächsten Jahren in ihrem Urlaub und auf eigene Kosten viermal Frau Lüling in der Kalahari besucht.

Wie kamen Sie in die Osterkirche, und was verbindet Sie mit der Osterkirche?

Und dann gab Kapernaum die Missionsarbeit auf. Frau Lüling nahm Renate Schulz und mich mit zum Büchsenfest in der Ostergemeinde, das hier parallel zu Kapernaum unter Leitung des jeweiligen Pfarrers seit dem 13.11. 1968 jährlich gefeiert wurde. 60 bis 70 Missionsbüchsen wurden damals ausgegeben, 1993 noch 15 Büchsen, 1998 noch 5 Büchsen. 1997 kamen dabei mit Einzelspenden noch 3.502 DM ein, 2011 waren es 1.500 €.

Ich freute mich sehr, nun in der Osterkirche helfen zu können, denn hier waren meine Mutter und ihre beiden Schwestern zum Mädchenkreis gegangen und auch konfirmiert und getraut worden. Nun halfen Frau Schulz und ich hier mit, erst bei Frau Kießling und dann bei Frau Menzel, die ich immer noch schmerzlich vermisse.

Als die Superintendentin des Kirchenkreises Wedding die Partnerschaft mit dem „Südlichen Kirchenkreis der Botswana-Diözese der Evangelisch-Lutherischen Kirche im südlichen Afrika“ aufkündigte, gründeten die missionsinteressierten Frauen der Ostergemeinde mit Frau Lüling, Frau Schulz und mir am 17.1.1996 den „Förderkreis KALAHARI-MISSION“ zur Pflege der geschwisterlichen Beziehungen mit den Christen im südlichen Kirchenkreis der Botswana-Diözese“. Irgendwann blieb die Organisation des Förderkreises an mir hängen, ich sehe mich nicht als „Leiterin“.

Inzwischen ist diese Arbeit im Segen unseres Herrn Jesus Christus gewachsen. 2004 besuchten uns der Superintendent und zwei Kirchenälteste der südlichen Botswana-Diözese der ELKSA , 2oo8 fand - auf eigene Kosten - der Gegenbesuch statt. Jetzt konnte ich die Menschen in der Kalahari auch persönlich kennen lernen und war mit Frau Lüling und drei Mitgliedern der Kapernaumgemeinde dabei, als Herr Dr. Kees vom Berliner Missionswerk Herrn Pfarrer Petrus Titus während eines bewegenden Gottesdienstes in die vakante Missionarsstelle feierlich einsetzte, beim Schein von zwei Kerzenstummeln in dem Wellblechhaus mitten in der Kalahariwüste. Unser Herr segne und behüte unseren Bruder Petrus Titus, seine Familie und seine Arbeit, und auch alle Christen in der Kalahari. Sie sind angewiesen auf unsere Gebete und Spenden.

Es entstand ein Joint Venture . Die Evangelisch-Lutherische Kirche im südlichen Afrika (ELKSA), das Berliner Missionswerk und der Förderkreis Kalahari-Mission zahlen gemeinsam das Gehalt des Pfarrers. Jetzt wird ein besserer Gebrauchtwagen gebraucht, um die kleinen Gemeinden im Radius von 450 km besuchen zu können. Die Gemeinden bestehen aus Menschen verschiedener Rassen, auch aus Buschmännern, die unser aller Urahnen sind mit den nach bisherigen Feststellungen ältesten Genen der Erde. Und zwar haben sie viel mehr Gene als wir.

Welche drei oder vier Wünsche haben Sie für die oder an die Osterkirchengemeinde?

Drei Wünsche für oder an die Ostergemeinde darf ich äußern:

Welcher bedeutende Mann hat gesagt: „Eine Gemeinde ohne Mission ist keine christliche Gemeinde“? Ich wünsche uns und den Christen in der Kalahari, dass uns die Mission noch mehr zu Herzen geht und mehr in den Mittelpunkt des Gemeindelebens gelangt, – hier in unserem Umfeld wie auch gemeinsam mit den Christen in der Kalahari.

Möge eine echte Verbundenheit mit den Christen in der Kalahari wachsen, mit gegenseitigen Telefonaten oder Briefwechseln – so wünscht es sich Herr Pfarrer Titus.

In den Kalaharigemeinden wird für uns gebetet, lassen Sie es auch uns für die dortigen Gemeinden immer wieder tun. Möge unser Herr Jesus Christus uns schenken, dass wir Ihn noch lieber gewinnen, und auch in der Ostergemeinde noch liebevoller miteinander und füreinander da sein im Beten und Tun.

Einen vierten Wunsch habe ich noch: Es ist so schön und wohltuend, mit Ihnen allen zusammen zu sein – behaltet mich lieb !

Was ist Ihre Lieblingsstelle in der Bibel?

Nun möchten Sie noch meinen liebsten Bibelvers wissen: Es ist mein Konfirmationsspruch, den ich mir damals selbst aussuchen sollte, Matthäus 6,33

Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, so wird euch alles andere zufallen.

Seitdem komme ich aus dem Staunen über die Zufälle in meinem Leben gar nicht mehr heraus.

Was ist Ihr Lieblingslied im Gesangbuch?

Jesus ist kommen, Grund ewiger Freuden, A und O, Anfang und Ende stehn da.

Gottheit und Menschheit vereinen sich beide, Schöpfer, wie kommst du uns Menschen so nah!

Himmel und Erde, erzählet´s den Heiden: Jesus ist kommen, Grund ewiger Freuden !