Mai 2018
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u03 hilde ziemerName: Hildegard Ziemer

Geboren und Kinderzeit: Mai 1920 in Berlin-Friedrichshain in der Nähe der Oberbaumbrücke als erstes von zwei Kindern.

Mein Vater war Arbeiter, meine Mutter war Hausfrau und Heimarbeiterin. Sie starb schon früh, da war ich 11 Jahre alt. Mein Vater starb, da war ich 17 Jahre alt.

Meine ersten Stationen: Ich begann eine Lehre als Hutmacherin, die ich aber abbrechen musste, als mein Vater starb. Ich arbeitete dann als Hausmädchen.

Meine Familie: 1942 heiratete ich meinen Mann – er kam extra zur Hochzeit von der Front in Kiew zurück. 3 Wochen waren wir zusammen, dann musste er zurück in den Krieg ziehen. Vermisst und nie wieder aufgetaucht war er dann 1944 bei Gefechten in Russland. Mein bzw. unser erstes Kind – ein Mädchen, sie hieß Waltraud – wurde 1942 geboren. Es starb 1944 bei einem Luftangriff, als es mit vielen anderen Menschen verschüttet wurde. 1947 wurde meine Tochter Heidemarie geboren. 1950 lernte ich meinen zweiten Mann – Otto - kennen, 1951 haben wir geheiratet. Beruflich war er Eisenmaler bei der Firma Peine – er malte große Brücken an und solche Sachen. Ich arbeitete als Näherin in einer Schneiderei. 1951 wurde Sohn Hans geboren, im Jahr 1957 die Tochter Ilse.

Seit 1960 wohnten wir in der Tegeler Straße. Die Kinder gingen auf die Gebrüder-Grimm-Schule, sie wurden von Pfarrer Kroll in der Osterkirche 1965 und 1971 konfirmiert. 1984 starb mein Mann – und seit 1995 wohne ich in meiner jetzigen Wohnung in der Sprengelstraße.

Was war, was ist Dir an der Ostergemeinde wichtig?

Mir sind die Gruppen – der Seniorenkreis und die Plauderecke – und die Gemeinschaft in der Gemeinde sehr wichtig. Die vielen Fahrten, die Pfarrer Reimer Piening mit den Gruppen machte – auch mal nach Schöning in sein Haus, auf den Brocken, nach Quedlinburg – habe ich immer mit großer Freude mitgemacht.

Die Kirchengemeinde war immer ein Tick und ein Ei – ich will sagen: wir haben alle immer zusammengehalten. Viele meiner engen persönlichen Verbindungen bestehen mit Menschen in der Gemeinde. Als ich im Sommer krank geworden bin und einige Zeit an die Wohnung gefesselt war, dachte ich, man würde mich schnell vergessen. Doch weit gefehlt: Jeden Tag hat mindestens Einer aus der Gemeinde angerufen, und regelmäßig klingelte es an der Wohnungstür und es kam Besuch vorbei. Dieses Gefühl, dazuzugehören und nicht vergessen oder abgehakt zu werden, hat mich sehr gefreut.

Worin bestehen weitere Bindungen an die Ostergemeinde?

So lange wie es möglich ist will ich meine Kräfte in die Gemeinde einbringen. Mir tut dieses Gefühl „Ich werde gebraucht“ einfach gut. Für mich gilt: Ich nehme kein Amt an, aber wenn Ihr mich ruft, stehe ich immer auf der Matte. Sei es, den sonntäglichen Kirchenkaffee mit Elise (Kieselbach) zu organisieren, bei Veranstaltungen zu helfen, die Tische zu decken, oder Kuchen zu backen – ich bin für die Gemeinde immer da.

Welche drei Wünsche hättest Du an die Ostergemeinde im Jahr 2008 ?

Ich wünsche mir, dass wir in der Ostergemeinde zusammenbleiben können und nicht gesprengt werden.

Ich wünsche mir weiter den guten Zusammenhalt aller Menschen hier in der Gemeinde.

Ich wünsche uns allen Gottes Segen

Was ist Deine Lieblingsstelle in der Bibel, und was bedeutet sie Dir?

Ich habe keine Lieblingsstellen in der Bibel. Ich lese regelmäßig in der Bibel. Ich schlage sie mal hier auf, mal dort. Wenn ich mit dem Text nicht einverstanden bin, dann lasse ich die Bibel ein paar Tage auf dem Tisch ungeöffnet liegen. Ich weiß nicht, ob das so richtig ist, aber so mache ich es.

 

Hilde Ziemer ist im Juli 2012 in Berlin verstorben. Sie wurde 92 Jahre alt.