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u06a ruth kohlhoffName: Ruth Kohlhoff

Geboren, Kinderzeit und Familie: 1930 in Berlin.

Ich hatte noch einen 7 Jahre älteren Bruder, der 1941 auf der Krim fiel. Es war das erste schlimme Erlebnis in meinem Leben, und ich erinnere mich noch heute daran, als der Einschreibebrief kam und mein Vater ihn mit zitternden Händen öffnete.

Meine Eltern erzogen mich streng. Gehorsam, Fleiß, Ehrlichkeit und Pünktlichkeit waren Selbstverständlichkeiten. Mein Vater war Lehrer und für mich ein Vorbild. Meine Mutter war eine fromme Frau, die schon früh bei mir die Freude an biblischen Geschichten weckte und mich regelmäßig zum Kindergottesdienst schickte, der in der Hitlerzeit nur von drei Kindern besucht wurde, da zur gleichen Zeit auch Dienst bei den Jungmädeln angesetzt war.

Nach vierjähriger Grundschulzeit besuchte ich in Spandau das Lyzeum. 1943 wurde die Schule nach Weichsel in Oberschlesien verlagert wegen der zunehmenden Luftangriffe auf Berlin. Nach der Flucht im Januar 1945 kamen wir in die Tschechei, zum Bayrischen Wald und schließlich nach Urfeld in Oberbayern. Hier blieben wir bis zum Sommer 1946, ehe wir nach Berlin zurückkehren konnten. Außer dem Schulunterricht erteilte uns unsere Religionslehrerin guten Konfirmandenunterricht. Sie war so fromm, dass wir sie die „heilige Anna“ nannten. Ich danke ihr noch heute dafür, dass wir so viel bei ihr lernten. Der Unterricht dauerte zwei Jahre. Nach der Rückkehr aus dem Kinderlandverschickungslager (KLV) fand eine Prüfung vor der Gemeinde statt, und ich wurde 1946 in der Spandauer Wicherngemeinde konfirmiert. Mein Konfirmationsspruch lautete: „Betet ohne Unterlass!“ (1. Thess. 5, 17)

Beruflich gesehen trat ich später in die Fußstapfen meines Vaters. Ich wurde Lehrerin und habe diesen Beruf mit viel Freude ausgeführt. Nach sieben Jahren gab ich meinen Beruf auf, um ganz für die Familie und die Gemeinde da zu sein.

Meine Familie:

1948 lernte ich meinen Mann im Kreis der Kindergottesdiensthelfer in der Spandauer Wicherngemeinde kennen. Da er nach Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft sein Theologiestudium gerade begonnen hatte, mussten wir sieben Jahre warten, bis wir 1955 heiraten konnten. Früher war es üblich, dass man vor der Heirat sein Examen gemacht hatte. Wir mussten damals noch vor der Hochzeit zu einem Gespräch zum Generalsuperintendenten Jakobi, um den Ehekonsens zu bekommen. Ich leitete in der Zeit ehrenamtlich zwei Jugendkreise, die im Rahmen einer Gemeindevisitation vom „General“ besucht worden waren, und so hatte ich keine Ablehnung zu befürchten.

Wir wurden am 29.7.1955 in der Spandauer Lutherkirche getraut. Unser Trauspruch lautete: „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet.“ (Römer 12, 12). Er begleitet mich bis heute. Mein Mann war zuerst Pfarrer in Berlin-Mahlsdorf, bis er 1957 eine Pfarrstelle an der Melanchtonkirche in Berlin-Kreuzberg bekam. Wir lebten dort zehn Jahre. In dieser Zeit wurden unsere drei Kinder Klaus-Jürgen, Heike und Christiane geboren. Im Jahr 1967 zogen wir nach Wilmersdorf. Hier war mein Mann in der Kirche am Hohenzollernplatz in eine Pfarrstelle gewählt worden. Da die Kinder nun schon größer waren, konnte ich in den nächsten 17 Jahren ehrenamtlich als Kindergottesdiensthelferin, in der Frauenhilfe, im Laienspielkreis und bei Haussammlungen mitarbeiten. Es war eine glückliche Zeit, bis mein Mann im Jahre 1984 mit 57 Jahren plötzlich an einem Herzinfarkt starb. Wir mussten die Dienstwohnung räumen, und ich lebte 18 Jahre lang zusammen mit meiner jüngsten Tochter in Lichterfelde im Bereich der Paulusgemeinde.

Im Jahre 2002 zogen wir aus beruflichen Gründen zum Wedding. Ich bin froh und dankbar, dass ich drei hilfsbereite Kinder und zwei Enkel habe. Meine beiden Töchter wohnen mit mir im selben Haus, so dass ich mich hier sehr geborgen fühle.

Wie kamen Sie zur Ostergemeinde?

Wir zogen, wie ich schon sagte, wegen einer neuen Arbeitsstelle meiner Tochter hierher und waren froh, die Kirche so nah zu haben. Wir fanden in der Osterkirche sehr schnell eine neue Heimat.

Was war, was ist Ihnen an der Ostergemeinde wichtig?

Am wichtigsten ist mir der Gottesdienst, den ich an jedem Sonntag zusammen mit meiner jüngsten Tochter besuche. Wir schöpfen durch das verkündete Wort Kraft für die neue Woche. Genauso wichtig finde ich das Bibelgespräch, was in der Osterkirche 14-tägig mit Herrn Pfarrer Dehmel stattfindet. Hier lerne ich viel und kann die Bibeltexte besser verstehen. Es ist eine gute Gemeinschaft mit jungen und älteren Menschen.

Ein ganz anderer Kreis ist der Seniorenkreis. Hier erfährt man viel aus dem persönlichen Leben, jeder kann sich mitteilen. Wir feiern gemeinsam unsere Geburtstage und telefonieren oder besuchen Mitglieder, die krank sind. Wir singen gern und helfen bei Veranstaltungen, indem wir z.B. Kuchen backen. Besonders freuen wir uns über unsere Ausflüge mit Simone Scheer und Hans-Peter Meyendorf. Jedes Treffen beginnt mit einer Andacht und endet mit Lied, Gebet und Segen.

Worin bestehen weitere Bindungen an die Osterkirche?

Ich führe die Kirchbücher, mache die Statistik und manchmal sonntags Kirchdienst im Wechsel mit anderen Ehrenamtlichen.

Welche drei Wünsche hätten Sie an die Ostergemeinde im Jahr 2009?

1.) Ich wünsche mir, dass wir recht bald einen neuen Pfarrer oder eine Pfarrerin bekommen.

2.) Es wäre schön, wenn noch mehr Menschen ehrenamtlich helfen würden. Arbeit gibt es genug.

3.) Ich bitte darum, dass viele Menschen am Sonntag zur Osterkirche kommen, dass sie das Wort Gottes wieder wichtig nehmen und ihr Leben danach ausrichten.

Was ist Ihre Lieblingsstelle in der Bibel, und was bedeutet sie Ihnen?

Das ist schwer zu sagen, es gibt viele. Besonders liebe ich den 23. Psalm, da ist unser ganzes Leben erfasst. Vers 4, das finstere Tal erleben wir alle, dann aber der tröstliche Zuspruch im letzten Vers: „Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herren immerdar.“

Was sind Ihre Lieblingslieder?

„Der Mond ist aufgegangen“, „Lobe den Herren“, „Ein feste Burg“ und „Ja, ich will euch tragen“.

Lieder trösten und erfreuen mich. Ich kann auch meinen Dank gegenüber dem Herrn darin ausdrücken für das lange Leben, das er mir geschenkt hat.