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u09 georg haldenwangerName: Georg Haldenwanger

Geboren: 1929 in Berlin auf dem Wedding

Familie und Werdegang: Sohn des Gemeindediakons an der Osterkirche. Drittes von fünf Kindern, alles Schwestern.

Ich wohne mit meiner Frau in Spandau. Wir haben 3 Kinder: einen Jungen, 44 Jahre alt, und die Mädels, 43 und 37 Jahre alt. Hinzu kommen 3 Enkelkinder - und der Urenkel ist unterwegs.

Mein beruflicher Werdegang hat sich aus der Kriegs- und Nachkriegszeit entwickelt: Oberschule und „mittlere Reife“.

Mit 15 Jahren, in den Sommerferien 1944, wurde ich bis Ende Dezember kriegsdienstverpflichtet zum Bauen von Schützen- und Panzergräben hinter der Ostfront. Im Januar 1945 Flucht, zurück nach Berlin. Dort wurde ich sofort zum Volkssturm eingezogen. Nach Kriegsende, im Mai 1945, ging ich wieder zur Schule. Viele Schulkameraden waren gefallen, viele kamen als Schwerverletzte zum Unterricht, andere sind in Gefangenschaft geraten.

Uns fiel es schwer, am Unterricht teilzunehmen. Wir, die Jahrgänge 28 und 29, hatten alle ein Jahr verloren. Außerdem war die Zeit mit Hamsterfahrten und Schwarzmarkt knapp, um am Unterricht 100%ig teilzunehmen. In dieser Zeit überlegten wir Schüler, von der Schule abzugehen. Die Klasse wiederholen wollten wir nicht. Viele sind ausgewandert, andere sind abgegangen, um einen „praktischen Beruf“ zu erlernen. Dazu gehörte 1947 auch ich, zum Verdruss meines Vaters. Ich wurde Gärtner.

Mein Vater, der 1946 aus russischer Gefangenschaft zurück kam, wurde als Pfarrer nach Langsow ins Oderbruch versetzt. Wir Kinder blieben wegen der Ausbildung, der Schule und der Arbeitsstelle meiner ältesten Schwester in Westberlin. Mutter war die meiste Zeit beim Vater, bis zu dem Zeitpunkt, 1952, wo Westberliner nicht mehr in die „Ostzone“ einreisen durften. Ich war „Grenzgänger“, weil meine Arbeitsstelle in „Ostberlin“, in Weissensee, war. So konnte sich mein Vater mit mir treffen, um familiäre Sachen zu erledigen.

1960 ging ich nach Nürnberg, um neue Kenntnisse im Gartenbau zu erwerben. 1965 nahm ich die Stelle als Landschaftsgärtner in den „ Rummelsberger Anstalten“ an. Dabei handelte es sich um eine mit dem Berliner „Johannesstift“ vergleichbare Einrichtung. Dort lernte ich den Leiter des in Berlin neu erbauten „Hauses der Kirche“ kennen. Dieser war vorher Pfarrer in Bayern. Er suchte jemanden, der die Grünanlage pflegen konnte und die Studentenwohnheime betreuen sollte. So kam ich also wieder nach Berlin zurück. Das war im Jahr 1968.

Durch Weiterbildung konnte ich die Stelle des Betriebstechnikers erwerben. Das beinhaltete die Betreuung der Seminare und Saalveranstaltungen mit Ton, Bild und Film, mit allem was dazu gehört. Dort lernte ich meine Frau kennen und wir heirateten 1971. Sie leitete im Hause den Miniclub der Trinitatisgemeinde. 1994 ging ich in den Ruhestand. Es war ein sehr schönes Arbeiten im Haus der Kirche, später evangelisches Bildungswerk und jetziges Amt für kirchliche Dienste. Insgesamt waren es 29 Jahre im kirchlichen Dienst.

Wie kamen Sie in die Osterkirche?

Die Verbindung zur Osterkirche beruht auf meiner Kindheit und Jugendzeit, die ich ja hier erlebte. Kindheit: Kindergottesdienst Spielstunde - mit den Diakonissen, es waren immer zwei, in der Handarbeits- und Bastelstunde, Konfirmandenunterricht. In der Jugendzeit, also nach dem Krieg, war ich Teil der „Jungen Gemeinde“ und machte mit im Posaunen- und Kirchenchor. Meine beiden älteren Schwestern bauten nach dem Krieg die Jugendgruppe auf, die später von der Vikarin Siebert und Schwester Charlotte übernommen wurde.

Durch meine Schwester Martha Haldenwanger angeregt, nahmen wir, meine Frau und ich, am Gemeindeleben der Osterkirche teil. Frau Pfarrerin Stobbe schlug uns eine Umgemeindung vor, die wir auch dann vollzogen. Im Seniorenkreis und der Plauderecke sind wir aktiv.

Osterkirche und „Sprengelkiez“ - Sprengelkiez ist für uns eine Abwertung des Bezirks. Ich habe den Eindruck, dass die Osterkirche im Sprengelkiez nicht den richtigen Platz hat, der ihr eigentlich zusteht. Ort der Verkündigung und nicht Teil eines Quartier- Management zu sein. Wichtiger ist doch die Frage, was hält der Sprengelkiez von der Kirche?

Welche drei Wünsche haben Sie an die Osterkirchengemeinde im Jahr 2009?

Meine Wünsche sind: Dass sich wieder viele Christen besinnen und in die Kirche zurück finden. Kann man nicht ein Kirchgeld einführen, für Menschen die keine Kirchensteuern bezahlen? Eine persönliche Verpflichtung, sozusagen. Und noch ein Wunsch, dass die Osterkirche uns erhalten bleibt.

Was ist Ihre Lieblingsstelle in der Bibel?

Meine Lieblingsstelle in der Bibel ist unser Trauspruch, Römer 8,28: Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.

Und der Predigttext, Sprüche 5,21: Denn jedermanns Wege sind offen vor dem Herrn und er kennt alle ihre Gänge.

Was sind Ihre Lieblingslieder im Gesangbuch?

Lieblingslieder gibt es nicht. Die Lieder, die ich von zu Hause aus, im Kindergottesdienst, im Konfirmandenunterricht, lernte, sind mir Trost und Freude.