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u13a johanna ecksteinName: Johanna Eckstein

Geboren: 1935 in Berlin-Schöneberg

Familie und Werdegang: Mein Vater war Tischler, meine Mutter war Hausfrau. Als ich 3 Jahre alt war, zogen meine Eltern mit mir nach Moabit. 1940 wurde mein Vater in die Wehrmacht eingezogen. 1944 wurde er dann in Russland als vermisst gemeldet. Das war für meine Mutter, aber auch für mich, ein schwerer Einschnitt im Leben.

Die Kriegszeit war insgesamt sehr schwer. 1941 kam ich in die Schule. Diese Schule wurde aber 1942 geschlossen. So kam ich 1942 nach Fürstenberg an der Oder – das heißt heute Eisenhüttenstadt. Dort ging ich für ein weiteres Jahr zur Schule. Daran schloss sich ein Jahr Schulzeit in Oberschlesien an. Meine Mutter und ich wohnten bei Verwandten meines Vaters.

Als im Jahr 1944 die Vermisstenmeldung zu meinem Vater kam, sagte meine Mutter: Was sollen wir hier noch? Los, wir gehen zurück nach Berlin.

In Berlin waren 1944 schon alle – bzw. die allermeisten – Schulen geschlossen. Einen ordentlichen Schulbetrieb gab es nicht mehr. So unterrichtete mich meine Mutter zu Hause. Sie war meine Lehrerin. Sie brachte mir alle wichtigen Dinge bei.

1950 – genau am 30. April - wurde ich in der Evangelischen Heilandskirche in Moabit eingesegnet – „konfirmiert“ sagt man heute dazu. In meiner Gruppe waren wir circa 30 Konfirmanden und Konfirmandinnen – und es gab damals 4 Pfarrer. Also war unser Jahrgang ungefähr 120 Jugendliche stark, die dann konfirmiert wurden. Mein Konfirmationsspruch hat mich bis heute begleitet: Wer mich bekennt vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem Himmlischen Vater. (Matthäus 10, 32).

Diesen Spruch zu leben war für mich manchmal ganz schön schwer. Wenn man bekannte, dass man Christin sei, war man bei manchen Menschen schon „unten durch“. Aber ich habe mir immer gesagt: Du musst es sagen und bekennen, dass Du Christin bist.

Im Jahr 1950 ging ich von der Schule ab. Ich war dann erst mal 1 Jahr als Haustochter im Bethanien-Krankenhaus in Kreuzberg tätig. In diesem Diakonissenheim wurde ich an verschiedenen Stellen ausgebildet: im Seminar, in der Apotheke, beim Tischdecken und Servieren und an noch mehr Stellen. Ich habe dabei viel gelernt.

Mein Berufswunsch war dann Krankenschwester. Aber das ging nicht – die Ausbildung hätte zu lange gedauert. Dann habe ich eine Lehrstelle als Schneiderin bekommen. Zuerst konnte ich mich damit – als „verhinderte Krankenschwester“ – nicht so recht anfreunden. Nachher hat es mir aber Spaß gemacht. Man musste eben nehmen, was man bekam. Ich war dann doch mit meinem Beruf sehr zufrieden. Ich lernte und arbeitete dann in einer kleinen Schneiderwerkstatt in der Waldstraße in Moabit. Diesen Betrieb gibt es heute aber nicht mehr. Seit 1953 arbeitete ich also als Schneiderin.

Im Jahr 1958 habe ich meinen späteren Mann kennengelernt. Er war Elektroschweißer – vorher Schlosser bei Orenstein & Koppel in Spandau. 1959 heirateten wir – natürlich auch kirchlich in der Heilandskirche.

Wie kamen Sie in die Osterkirche?

Im Jahr 1963 bekamen mein Mann und ich eine Wohnung am Nordufer im Wedding. Seit dieser zeit bin ich Gemeindeglied in der Evangelischen Osterkirchengemeinde. Mein Mann und ich sind regelmäßig zu Gottesdiensten in der Osterkirche gewesen – aber nicht jeden Sonntag. Uns gefiel es im Wedding gut. Ich habe deshalb meine Mutter aus Schöneberg auch in den Wedding geholt. Meine Mutter suchte und fand bald Anschluss im Seniorenkreis. So kam auch ich in den Seniorenkreis. Ich kann mich gut an die Pfarrer Wasserfall und Reimer Piening erinnern

Im Jahr 2009 ist mein Mann nach langer schwerer Krankheit gestorben. Es war letztlich ein Segen, dass Gott ihn zu sich geholt hat. Jetzt bin ich regelmäßig im Seniorenkreis und habe dort viele liebe Menschen kennengelernt.

Was verbindet Sie mit der Osterkirche?

Die Osterkirche und die Gemeinde kommen mir wie ein zweites Zuhause vor. Die Menschen hier sind mir sehr wichtig. sie gehen so lieb auf einen zu. Bei mir ist es so, dass ich erst jetzt – ein Jahr nach dem Tod meines Mannes – dazu komme, mich mehr und mehr für diesen Kreis von Menschen zu öffnen.

Welche drei Wünsche haben Sie für die oder an die Osterkirchengemeinde?

Für die Osterkirche: dass sie uns trotz aller Schwierigkeiten erhalten bleibt; und dass sich die Zahl der Gemeindeglieder wieder langsam erhöht, dass also wieder mehr Menschen den Weg zur Osterkirche und zur Gemeinde finden. An die Osterkirche und die Gemeinde habe ich keine Wünsche – ich bin zufrieden mit dem, was dort ist.

Was ist Ihre Lieblingsstelle in der Bibel?

Ich habe zwei Stellen – wenn ich die lese, geht es mir immer gut.

„Das habe ich euch gesagt, damit ihr Frieden habt in mir. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ (Johannes 16, 33)

„Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht verlorengehen, sondern das ewige Leben haben.“ (Johannes 3, 16)

Was ist Ihr Lieblingslied im Gesangbuch?

„Großer Gott, wir loben Dich“