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Ein Augenblick verändert das Leben . . .

 

Die letzte Begegnung Jesu vor seinem Tod mit dem Jünger Petrus

Liebe Gemeinde!

Beginnend mit dem Aschermittwoch, der in diesem Jahr auf den 1. März fällt, werden wir in die Zeit der Nachdenklichkeit und der Betrachtung des Leidens und Sterbens Jesus eintreten. Zu den vielen biblischen Berichten der Passionsgeschichte gehört eine kleine Szene, die in unseren Bibelausgaben meist mit “Die Verleugnung des Petrus“ überschrieben ist. Ich lade sie ein, diese einmal aus der Sicht des Petrus selbst wahrzunehmen:

Nun stehe ich hier am Ausgang vom Hof des Hohepriesters. Gerade verurteilen sie meinen Freund und Lehrer Jesus aus Nazareth. Zum Tode werden sie verurteilen, keine Chance werden sie ihm lassen. Den Römern werden sie ihn übergeben und die werden ihn kreuzigen. An seiner Seite wollte ich gehen, das habe ich ihm mehr als einmal versprochen, aber jetzt, wo es drauf ankommt, habe ich versagt, ich habe ihn verraten. Gelogen habe ich, dreimal, so wie er es vorausgesagt hat.
Zum Glück sieht hier draußen niemand meine Tränen. Es ist zum Heulen, Jesus muss sterben und ich habe ihn verlassen.
Stark wollte ich sein, ganz stark. Dann fragt mich diese Magd, ob ich auch zu Jesus gehöre. Ohne langes Nachdenken habe ich es verneint. Um mich herum das Stimmengewirr der Ankläger, das Waffenklirren der Tempelwächter und Knechte des Hohepriesters. Angst hatte ich, nur noch Angst um das Leben von Jesus und um meines noch viel mehr.
Als mit dann ein zweiter ansprach und sagte „Du gehörst auch zu denen!“, habe ich gesagt: „Nein, ich bin’s nicht!“ Schließlich kam noch ein dritter, der feststellte: „Wahrhaft dieser war auch mit Jesus, denn er ist ein Galiläer!“ Daraufhin erwiderte ich nur kurz, dass ich nicht wüsste, was er da sagt. Das war die dritte Lüge, der Hahn krähte, ich erinnerte mich an das letzte Gespräch mit Jesus. Dann schossen mir schon die Tränen in die Augen und ich wollte nur noch weg, am liebsten ganz weit weg.
Doch bevor ich mich aus dem Staub machen konnte, geschah noch etwas von einer einmaligen Tiefe, das mich ganz in meinem Innern berührte. Ich wusste, dass ich Jesus verraten hatte. Ich war es nicht mehr wert sein Jünger zu heißen, alles was mir in den Jahren mit Jesus wichtig geworden war, scheint verloren.

Die Erinnerungen gingen mir durch den Kopf.
Wir zogen gemeinsam durchs Land, von Dorf zu Stadt, durch unbewohnte Gebiete und an den See. Überall kamen die Menschen, um Jesus von Gott erzählen zu hören. Es waren auch viele Kranke dabei, die er heilte. Hunderte, eher Tausende hat er zur Umkehr und zum Glauben gerufen. Im Verlauf dieser Zeit wurde mein Vertrauen zu Jesus immer stärker. Ich bin mir sicher, dass er der Auserwählte Gottes ist.
Einmal begab es sich dann, dass wir mit Jesus allein waren. Da fragte er uns: „Wer sagen die Leute, dass ich sei?“ Dann wollte Jesus wissen, was wir Jünger glauben. „Du bist Christus, du bist der Auserwählte Gottes!“ so platze es aus mir heraus. Das war mein Bekenntnis. Das Bekenntnis meines Glaubens und mein Bekenntnis zur uneingeschränkten Nachfolge Jesu. Von diesem Tag an war das Verhältnis von Jesus und mir noch enger geworden.
So habe ich Jesus begleitet, als er auf dem Berg Tabor verklärt wurde. Beim letzten Passamahl, das er mit uns gefeiert hat, saß ich an seiner Seite. Ich war mit ihm im Garten Getsemane. Alle seine Leidensankündigungen habe ich gehört, war bereit mit ihm zu gehen, jeden Schritt bis ins Gefängnis oder den Tod, wenn’s sein muss.
Ich habe versagt. Ich habe mich schuldig gemacht. Und während ich so nachdenke führen sie Jesus ab. Er soll zum Hohen Rat und dann zu Pilatus gebracht werden, um sein Todesurteil zu empfangen. Sie führen ihn genau an der Stelle im Hof des Hohepriesters vorbei, wo ich stehe.
Meinen Kopf habe ich gesenkt, nur für einen Augenblick hebe ich meinen Kopf. Nur für einen Augenblick sehen Jesus und ich uns an. Unsere Blicke treffen sich, nur ganz kurz. Das ist der tiefe innere Moment, der mein Leben endgültig veränderte. Jesus sieht mich gütig an. Dieser Augenblick verändert mein Leben. In dem Blick, den Jesus auf mich in diesem Vorübergehen nimmt, liegt alles, wofür Jesus lebt:
Vergebung, Freiheit und neues Leben. Jesus sieht mich nicht böse an, er vergibt mir. Er macht mich frei von der Verpflichtung bis in den Tod mit ihm gehen zu wollen, weil ich dem Leben gehören soll, einem neuen Leben. Die Ohnmacht wird die Macht besiegen, Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig. Und ich bin sehr schwach hier in diesem Augenblick.
Nun kann ich meine Tränen nicht mehr halten. Es sind Tränen der Trauer. Worte der Psalmen gehen mir durch den Sinn: „Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht. Ich wandere durch ein tiefes Tal. So spotten meiner.“
Bittere Tränen sind es. Und dennoch weiß ich, bei meiner Trauer wird es nicht bleiben. Was hier geschieht ist nicht das Ende. Es ist der Beginn des Weges zu einem neuen Anfang. In jenem Augenblick wo sich Mein Blick mit Jesu Blick traf, ist mir das alles klar geworden. Aus meinem Versagen und meinem Verrat werde ich mit neuer Kraft herausgehen. Jesus hat noch etwas mit mir vor. Noch weiß ich nicht was, aber mein Vertrauen zu ihm wird seinen Tod am Kreuz überdauern. Er wird wiederkommen, er wird auferstehen, so wie er es gesagt hat. Er bleibt bei mir. Das ist gewiss!

Für Petrus war es ein Augenblick, in dem ihm der Sinn des Leidens und Sterbens Jesu begreiflich wurde. Wir können uns sieben Wochen in dieser Passionszeit dafür Zeit lassen. So wünsche Ich Ihnen und mir eine stille und nachdenkliche, aber auch erkenntnisreiche und vergewissernde Zeit in den Wochen bis zum Karfreitag.

Ihr Pfarrer Thilo Haak

Jesus