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2012 Martha-Haldenwanger kl P1020624Name: Martha Haldenwanger

Geboren und Kinderzeit:

1927 bin ich in Berlin-Schöneberg geboren und im April in der Apostel-Paulus- Kirche getauft worden.

Ich durfte zusammen mit meinen jüngeren Geschwistern, einem Bruder und drei Schwestern, die alle noch in Berlin leben, eine glückliche Kindheit verleben. Mein Bruder hat sich mit seiner Frau auch wieder in die Osterkirchengemeinde umgemeinden lassen, eine Schwester gehört noch zum Kreis „Frauen in Beruf und Ruhestand“.

Zu Hause wuchsen wir durch gemeinsames Singen, Beten und Lesen – damals besonders der Geschichten des Alten Testaments, da diese in unserer Schulzeit nicht auf den Plänen des Religionsunterrichts stehen durften – früh in ein christliches Familienleben hinein. Für diesen Segen bin ich unseren Eltern, die für Notleidende und Ratlose stets ein offenes Haus hatten, besonders dankbar.

Meine Familie:

1928 wurde unser Vater, der im evangelischen Johannesstift in Spandau zum Diakon ausgebildet war, nach kürzeren Dienstzeiten als Stadtmissionar in Berlin-Schöneberg und Gemeindepfleger in Neuruppin in der evangelischen Osterkirchengemeinde als Gemeindediakon angestellt, womit meine Zugehörigkeit zu dieser Gemeinde praktisch begann und damit eine Zeit frohen Erlebens mit vielen guten Erinnerungen.

Meine weiteren Stationen:

Sobald es altersmäßig möglich war, ging ich in den Kindergottesdienst bei Pfarrer von Bargen, später bei Pfarrer Laubvogel, wo ich dann auch als Helferin und nach seinem plötzlichen Tod auch bei Pfarrer von Bargen, Pfarrer Kroll und auch noch bei Pfarrer Scheidhauer tätig war.

Die Kinderjahre – die Gemeinde hatte damals wohl über 30.000 Mitglieder, in machen Häusern wohnten in den verschiedenen Aufgängen teilweise ca. 30 Kinder – wurden zumindest bis Ausbruch des Krieges durch die wöchentlichen „Strickstunden“ unter Leitung einer Diakonisse – meist waren 3 Diakonissen in der Gemeinde tätig – „Spielstunden“ mit gemeinsamem Singen, Spielen, Anhören spannender Kinderbücher in Fortsetzung, einer „Bücherstunde“, hier konnte man interessante Kinderbücher ausleihen, Ausflügen, Weihnachtsfeiern in der Hochschul-Brauerei mit Tombola, Krippenspiel, Märchenaufführungen und schließlich auch mit Weihnachtsfeiern für die Patienten im Virchow-Krankenhaus zu unvergesslichen Erlebnissen. Hierüber gäbe es im Einzelnen viel zu berichten!

Zu Ostern 1934 bereits war unsere inzwischen 7-köpfige Familie von der Schöningstraße in die Torfstraße umgezogen, so dass ich nach dem 1. Schuljahr in der Ofener Straße weitere 3 Volksschuljahre in der Tegeler Straße, damals die 285. Mädchenschule, verlebte. Danach folgten 6 Schuljahre in Moabit in der Hedwig-Dohm-Mittelschule, die mit der Mittleren Reife abschloss. Noch heute trifft sich die damalige Abschlussklasse jährlich zu Austausch und geselligem Beisammensein.

Bereits 1942 wurde ich am Sonntag Oculi, dem 8. März, eingesegnet. Der Konfirmation ging damals ein 1 ½ Jahre dauernder Konfirmandenunterricht im jetzigen Gemeinderaum und am Sonntag Invocavit – 2 Wochen vor dem großen Festtag – im Abendgottesdienst der Gemeinde die Vorstellung und Prüfung der Konfirmanden voraus.

Der Beendigung der Schulzeit folgte bei mir die Ausbildung zur Chemotechnikerin in der Städtischen Chemotechnikerschule am Warschauer Platz. Nach dem Staatsexamen – es war ein Jahr nach Kriegsende – war ich ¼ Jahr arbeitslos, fand dann aber am 5. Juli 1946 meine Arbeitsstelle im Institut für Gärungsgewerbe in der Seestraße. Hier habe ich bis zum Eintritt in den Ruhestand über 41 Jahre sehr abwechslungsreiche Tätigkeiten ausgeübt.

Einen großen Teil der Feierabende verlebte ich in der Gemeinde. In der Osterkirche begann nach dem Krieg fast zur gleichen Zeit wie meine berufliche Arbeit eine Zeit des Aufblühens in der Jugendarbeit und allgemein in der Bildung „Junger Gemeinde“. Für die Osterjugend erhielten neben ihrer Arbeit als Kreiskatechetin Vikarin Margarethe Sieberth – Frauen durften zur damaligen Zeit trotz abgelegter Examina nicht ordiniert werden – und die Diakonisse, Schwester Charlotte Beßler aus dem Lazarus-Diakonissen-Mutterhaus, und andere den Auftrag, die Jugend zu Jugendkreisen zu versammeln. Wöchentlich kamen wir zum Singen, Spielen, Bibelarbeit unter theologischer Leitung sowie zum Einüben von Laienspielen, die dann auch im Austausch mit anderen Gemeinden aufgeführt wurden, zusammen.

Dies fand anfänglich sonntags unter primitivsten Verhältnissen in der Wohnung – einem Zimmer als Untermieterin – der Vikarin statt, bis später durch Generalsuperintendent Jacobi zwei Pfarrwohnungen in der Samoastraße geteilt und ein Teil dem Kinderhort, ein Teil der Jungen Gemeinde zugeteilt wurden. Über die Zeiten des Jugendkreises existieren noch interessante, handgeschriebene Tagebücher. Aus dieser Arbeit entwickelte sich beim Wechsel von Frau Sieberth – inzwischen zur Pfarrvikarin ordiniert – als Pfarrerin in der Dankesgemeinde, der „Berufstätigenkreis“, der inzwischen zum Kreis „Frauen in Beruf und Ruhestand“ wurde.

Freizeiten in Lobetal und Grünheide – wo es dann auch mal Essen zum Sattessen gab – und später auch Freizeiten in Westdeutschland mit aufregenden Grenzkontrollen in Dreilinden und Drewitz. Als ehrenamtliche Aufgaben wurden Gemeindeblätter persönlich in die Familien gebracht. Es musste der erbetene „Opfergroschen“ für den Religionsunterricht erbeten werden und schließlich einmal jährlich auch für das Müttergenesungswerk, für die Arbeit der Diakonie und „Brot für die Welt“ gesammelt werden.

Ein sehr fleißiger Kirchenchor mit wöchentlichen Übungsstunden wurde dann vom damaligen Kantor Stillfried Bobe gegründet und betreut. An den Festtagen sangen wir in fast jedem Gottesdienst. Besondere Erlebnisse waren die Kantaten, die wir in angemessenen Abständen unter der Leitung des Kirchenmusikdirektors mit den Chören des Kirchenkreises aufführten.

Eine Zeit lang machten wir vor dem Sonntagsgottesdienst Hofsingen und luden zum Gottesdienst ein. Eine kleine Weihnachtsfeier haben wir dann zwischen den Jahren erleben dürfen. Nach Herrn Bobes plötzlichem Heimgang hörte für mich diese Zeit des Chorsingens auf.

In den 60er Jahren kamen für mich Zeiten der Mitarbeit im Beirat oder GKR sowie auch in der Kreissynode hinzu. Aus diesem Grunde ließ ich mich 1971 beim Umzug mit unserem Vater von der Torfstraße nach Charlottenburg – wir beide waren nach dem plötzlichen Tod unserer lieben Mutter 1969 nur noch allein in der großen Wohnung – in die Osterkirchengemeinde umgemeinden.

Was war, was ist Ihnen an der Ostergemeinde wichtig?

Ich freue mich, dass es in der Gemeinde die Aktion „Laib und Seele“ gibt. Die Frage ist: Wie erreichen wir heute die Menschen, die nicht mehr persönlich zur Kirche kommen können?

Eine große Bereicherung sind die beiden von Pfarrer i.R. Siegfried Dehmel geleiteten Kreise – der Bibelgesprächskreis und das Abendgebet.

Welche drei Wünsche hätten Sie an die Ostergemeinde im Jahr 2008 ?

Erstens wünsche ich mir, dass wieder eine hundertprozentige Pfarrstelle eingerichtet werden kann, und wenn es weiterhin nur bei wenigen hauptamtlichen Kräften bleiben sollte, dass diesen dann wenigstens viele Ehrenamtliche Helfer zur Seite stehen mögen.

Zweitens wünsche ich mir, dass sich die Gemeinde doch wieder vom Kindesalter über die Kita, den Kindergottesdienst, Jugendkreise und Jugendfreizeiten aufbauen kann und dadurch wieder viele ehrenamtliche und tatkräftige Gemeindeglieder gewinnt, die bis zum Seniorenkreis Gemeinde bilden.

Und mein dritter Wunsch: Möge bald wieder die fröhliche Zusammenarbeit aller Gruppen wie bei der Vorbereitung und Durchführung des 100. Geburtstages der Gemeinde den Alltag der Gemeinde bestimmen.

Was ist Ihre Lieblingsstelle in der Bibel, und was bedeutet sie Ihnen?

Mein Einsegnungsspruch Römer 8, 28 a: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum besten dienen.“ Dieser Spruch ist mir von Kindheit her bekannt und hat mich durch alle Höhen und Tiefen meines Lebens getragen.

Was sind Ihre Lieblingslieder aus dem Gesangbuch, und was bedeuten sie Ihnen?

Viele, da ich mich mit den Liedern immer wieder innerlich aufrichte. Sie sind so tief in mir verwurzelt, dass sie – wenn ich Freude, Nöte oder Traurigkeit empfinde – jeweils passend aus meinem Unterbewusstsein aufsteigen. Das merke ich dann, wenn ich über die jeweilige Lage nachdenke: Was singst du denn jetzt gerade? Ja, das ist für diese Situation genau das Passende. Diesen Liederschatz aus Kindergottesdienst und Gottesdienst, den ich erhoffe, dass er mir bis zum Lebensende erhalten bleiben möge, habe ich durch das Singen im Kirchenchor, im Jugendkreis, auf Urlaubsgemeinschaften und Studientagen der MBK-Gemeinschaft reichhaltig erweitert.

Warum? In diesen Liedern, die oft von den Dichtern in schweren Lebensstürmen geschaffen wurden, ist die Fülle der Bibel – von der Liebe Gottes, seiner Schöpfung bis zur Geburt Jesu, seines Lebens, seines Sterbens, seiner Auferstehung und der Himmelfahrt – ja, bis zu Worten aus der Offenbarung des Johannes enthalten.