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 Reimer Piening IMG 0125

Name: Reimer Piening

Geboren: 1934 in Hamburg.

Familie und Werdegang:

Mich über mich selbst als „Urgestein“ der Osterkirchengemeinde zu äußern, kommt mir, mit Verlaub gesagt, doch irgendwie etwas befremdlich vor: fast wie bei dem Spruch „Der Gast, vors Gästebuch gezerrt, empfindet viel Verdruss, er fühlt sich aufs WC gesperrt, obwohl er gar nicht muss.“ Und dann bin ich ja überhaupt kein Freund von allem, was nach Lobhudeleien riecht und in diesem Fall sogar nach „Eichenlaub“. Schließlich sind wir als Jesus-Anhänger ja doch alle „unnütze Knechte“ (Lukas 17, 10).

Und Urgestein? Urgestein als das ganz tief liegende irdische Fundament der Gemeinde? Da komme ich mir eher wie ein Faktotum vor als wie jemand, der mal für das ganze sachliche, geistige und nicht zuletzt geistliche Leben der Osterkirchengemeinde verantwortlich war und sich daher jetzt eher zurückhalten muss, um die Verantwortung der-, dem- und denjenigen zu überlassen, die jetzt das äußerliche, geistige und nicht zuletzt geistliche Leben und Geschehen der Gemeinde initiieren und ausrichten müssen.

Als „Ur“ – der Auerochse ist ja die Urform aller Rinder, Kühe, Kälber, Ochsen, Bullen und Stiere (mein Sternbild) – als Ur bin ich wohl trotz Ruhestand eher stürmisch und ein Kind der „unsichtbaren Kirche“, die überall zu Hause ist, wenn ich in der Osterkirchengemeinde auch immer noch ein Standbein habe, auf dem ich zwischen den echten Urgesteinen, den Säulen der Gemeinde, noch stehen und einen gewissen Halt finden kann.

Wo mir „Urgestein in ganz anderer Weise begegnet, hängt mit dem zusammen, wie ich aufgewachsen bin und was mein Interesse bis heute hin prägt: 1934 in Hamburg geboren als zweites Kind – ich habe noch einen älteren Bruder und hatte eine jüngere Schwester, die vor einigen Jahren gestorben ist – wurden wir 1943 ausgebombt und lebten dann 7 Jahre auf dem Lande in der Nähe von Osnabrück zwischen Wiehengebirge und Teutoburger Wald. Hier war ich auf geheimnisvolle – wie ich es empfinde – Weise mit der Erde verbunden: alles, was Natur anbelangt – Wald, Wiese, Feld, Bach, Quelle, Lichtung, Bäume, Blumen, Vögel, Rehe, Hasen, Gewitterregen, überschwemmte Weisen - ... bei all diesen Worten und Begriffen habe ich immer ganz genaue Bilder von dort vor meinem geistigen Auge.

Und ich habe erlebt, wie wir mit 400 Quadratmetern gepachtetem Ackerland und insgesamt 30 Kaninchen in den 7 Jahren eine vierköpfige Familie – mein Vater war aus dem Krieg nicht zurückgekehrt; bei Warschau verschollen – zu einem großen Teil selbst versorgen konnten. Und ich habe gesehen, wie die Bauern ohne Kunstdünger und Pflanzenschutzmittel – nur zwei Bauern hatten überhaupt einen Trecker – die Stadtbevölkerung mit Lebensmitteln mit versorgt haben.

Wie müssen wir Menschen auf dieser Erde leben, um mit dem, was uns auf diesem schönen Planeten zusteht, auszukommen, ohne unsere eigene Lebensgrundlage und die der ganzen natürlichen Zusammenhänge zu zerstören? Ist das einfache und Selbstversorgerleben nur Blauäugigkeit und Romantik wie die beiden Segelschiffsreisen nach Buenos Aires mit der „Pamir“ und der „Passat“, die ich während meiner vierjährigen Seefahrtszeit vom Schiffsjungen zum Matrosen unter anderem genossen habe? Immerhin wurden sie vom Wind über die Meere getrieben und nicht von Motoren!

Noch nicht genug der Romantik: Angesteckt von der schwarzen Musik, nicht zuletzt den Gospels in den schwarzen Kirchengemeinden an der Ostküste Nordamerikas, bin ich dann statt auf die Steuermannsschule auf die Universität gegangen und habe Theologie studiert, eine Familie gegründet und zwei Töchter bekommen; bin in die damals noch Hamburgische Landeskirche gegangen und habe in zwei übergemeindlichen Pfarrstellen gedient: im katechetischen Amt und als Schülerpastor.

Mitten in der bewegten Zeit der APO und Studentenbewegung wurde ich dann von den Studenten der Evangelischen Studentengemeinde an der Staatlichen Ingenieur-Akademie (später ESG/TFH) angefragt und gewählt; Beginn einer zwölfjährigen wilden und lebendigen Zeit in Berlin (West).

Wie kam ich zur Ostergemeinde?

Inzwischen waren meine eigenen Kinder fast älter als die Studenten, die an der TFH neu mit dem Studium begannen. Dass ich mal nach ein paar Vertretungen in Westberliner Gemeinden, um überhaupt das Leben in Ortsgemeinden kennenzulernen, dann kaum 500 Meter von meiner Studentengemeinde entfernt in der Osterkirchengemeinde landen würde, hätte ich mir in meiner Studentengemeindezeit allerdings nicht träumen lassen.

Was war, was ist mir an der Ostergemeinde wichtig?

Als ich anfing, wusste ich das natürlich so gut wie gar nicht, außer, dass es eigentlich eine eher herkömmliche, um nicht zu sagen: konservative, Gemeinde war. Aber ganz schnell merkte ich, dass sie gerade dadurch besonders auch im Seniorenbereich sehr wissbegierig und auch aufgeschlossen war, theologische und Glaubensfragen zu ventilieren und zu diskutieren. Und – überhaupt nicht zu unterschätzen – dass es immer was zu lachen gab: so eine Art tiefsitzender, aber tiefgehender Humor.

Worin bestehen weitere Bindungen an die Osterkirche?

Da ich ja inzwischen „Faktotum“ und schon lange im Ruhestand bin, habe ich ja, wie gesagt, Wohnsitz und Standbein immer noch hier und die Osterkirche als meine Gemeinde. Aber als ehemaliger Osterkirchengemeindepfarrer mische ich mich da nicht gerne zu sehr ein und möchte hier nicht das Sagen haben. Nur wenn ich hin und wieder auf der Kanzel stehe, kann ich schließlich nichts anderes sagen, als was ich selber glaube.

Weitere Bindungen mit der Osterkirchengemeinde sind also eher weitere Bindungen: eher außerhalb meiner Standbeingemeinde in der unsichtbaren Kirche und – wie gesagt – der Frage, was aus unserer Lebensgrundlage wird: theoretisch in unserem „Runden Tisch“ und anderen Treffen und Zusammenhängen, praktisch ein ganz kleines bisschen und in ganz geringen Anfängen etwas Selbstversorgung aus dem eigenen Garten zu praktizieren und herauszufinden, was und wie viel da geht. Und da läuft mir auf einmal das Urgestein wieder über den weg: da muss man nämlich, wenn man den Kompost ansetzt, immer etwas Urgesteinsmehl dazwischen stäuben, damit der Humus mit den tiefen Qualitäten des Urgesteins angereichert wird.

Welche drei Wünsche habe ich an die Ostergemeinde im Jahr 2009?

1.) Dass sie immer wieder und immer neu aus der alttestamentlich-neutestamentlichen Tradition und ihrem richtigen Verstehen ihre kritische und angemessene Position und Aufgabe in der Natur- und Menschheitsgeschichte, so gut sie kann, findet, lebt und verwirklicht.

2.) ... dauernd, und nicht nur drei Mal im Jahr.

3.) Dazu wünsche ich der Osterkirchengemeinde natürlich eine gute Pfarrstellenbesetzung.

Was ist meine Lieblingsstelle in der Bibel?

Da gibt es viele, besonders im Johannes-Evangelium, aber nehmen wir hier mal Lukas 17, 10 (s.o.): „So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Knechte; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.“

Was sind meine Lieblingslieder im Gesangbuch?

Ich nenne hier nur einmal zwei, nicht zuletzt wegen der Melodien:

Nr. 274, „Der Herr ist mein getreuer Hirte“; Nr. 455, Morgenlicht leuchtet“.