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k13 pascal ninnemannName und Alter: Pascal Ninnemann, 25 Jahre alt (Geburtsjahr 1984)

wohnt im: Sprengelkiez, in der Tegeler Str.

Mein Werdegang:

Ich habe noch zwei ältere Brüder, Marco und Marcel. Mit 2 Monaten wurde ich in einer Kirchengemeinde in Berlin-Schöneberg getauft. 1987, da war ich 3 Jahre alt, zog meine Familie in den Sprengelkiez. Im Sprengelkiez wurde ich von meinen Brüdern früh zum Fußballplatz direkt neben der Bahnbrücke an der Tegeler Straße mitgenommen – da, wo jetzt die Bahnbrücke drüber verläuft, die vom Ring zum neuen Hauptbahnhof abzweigt.

Dort spielten wir praktisch jeden Tag – im Sommer von früh morgens bis zum Einbruch der Dunkelheit. Dort fanden sich viele Freunde und Kumpels von Marco, meinem Bruder, ein, und wiederum die Freunde dieser Freunde, die teilweise aus Neukölln hierher kamen. Es waren dann oft zwischen 20 und 40 Kinder und Jugendliche da – und wir spielten in unseren Freizeitmannschaften Fußball. Meine Mutter (Rosemarie Dag) kam ab und zu vorbei, um zu sehen, ob wir da wirklich keinen Unfug anstellten. Aber nein - wir spielten dort stundenlang gegeneinander – alles friedlich. Bis heute haben sich aus dieser Zeit tolle Kontakte zu vielen Mitspielern gehalten. Im Rahmen dieser Freizeitmannschaften spiele ich bis heute – es macht mir einfach viel Spaß.

Über diese Freizeitmannschaften kam 1991 ein Kontakt zu Theo Grieß zustande, der zwischen 1988 und 1994 für Hertha BSC Berlin in der ersten Mannschaft spielte. Theo Grieß – er ist heute Jugendtrainer des Zweitligisten Union Berlin – unterstützte uns damals. Durch ihn kamen wir zu Hertha BSC, nachdem wir unter seiner Patenschaft eine eigene Hertha-Freizeitligen-Mannschaft aufgestellt hatten.

Durch die Arbeitsagentur arbeite ich seit 2005 bei der Behindertenwerkstatt Berlin am Westhafen. Das große Gebäude ist von der Putlitzbrücke sofort zu sehen. Dort besteht meine aktuelle Tätigkeit darin, aus gebrauchten Teilen neue Traktoren zusammenzubauen. Also Technik und Lackieren – das gehört alles dazu. Man braucht dafür eine ruhige Hand. Es macht mir bis heute viel Spaß dort. Vorher war ich in einer anderen Behindertenwerkstatt – dort nahm ich aber nach wenigen Tagen Reißaus. Wir wurden im wahrsten Sinne des Wortes eingesperrt und waren überall kameraüberwacht – das war nicht mein Ding.

Ich wollte in die Behindertenwerkstatt Berlin, weil man dort eine meiner besonderen Wünsche erfüllen konnte – dass genug Zeit für aktiven Sport vorhanden ist. Dass ich dorthin kam, war ein Glücksfall. Denn dort traf ich auf Michael Köthen, der dort als Ausbilder tätig war. Ich wurde in die Abteilung Süd der Berliner Behindertenwerkstatt eingeteilt – dort, wo die sportlich besonders Aktiven – darunter viele Fußballer – zusammengezogen wurden. Michael Köthen war damals auch fußballerisch aktiv bei Stern 1900. Er erkannte und förderte mein fußballerisches Talent. Michael Köthen erkannte, dass ich als Abwehrspieler meine Potenziale am besten ausschöpfen konnte. Ich bin seitdem der zentrale Abwehrspieler vor dem Torwart. Ich halte den 16er sauber und führe mit meinem starken rechten Fuß auch die Abstöße aus.

Michael Köthen – das ist ein Trainer mit A-Trainerlizenz. Er könnte auch einen Bundesligisten trainieren. Das tut er ja jetzt auch – denn er trainiert uns, die Behindertenmannschaft bei Hertha BSC Berlin. Wir spielen in der Bundesliga für Behinderte. Unsere Ligaspiele absolvieren wir in Turnieren, bei denen sich mehrere Mannschaften treffen und dann einige Spiele am Stück machen. Jeder Bundesligist ist da vertreten – Wolfsburg, Hamburg, München, Schalke, Dortmund, Köln, Stuttgart, Bremen und so weiter. Unsere Spiele finden meist montags oder freitags jeweils am Abend statt. Unser Team steht unangefochten an der Tabellenspitze – wir frustrieren unsere Gegner, weil wir immer gewinnen.

Es gibt auch eine Deutsche Nationalmannschaft der Behinderten. Wir spielen – wie Ballack, Klose, Gomez oder Lahm – im klassischen schwarz-weißen Dress. In dieser Nationalmannschaft spiele ich seit 3 Jahren – ebenfalls auf der zentralen Position in der Verteidigung. Bei der Europameisterschaft in der Schweiz und in Österreich 2008 wurden wir Vize. Wir verloren das Endspiel gegen England mit 0 : 1. In der Vorrunde hatten wir Frankreich, Polen und Italien besiegt. Das war schon bitter, die Hände fast am Pokal zu haben und ihn dann doch nicht zu gewinnen.

Jetzt bei der WM in Südafrika ist Deutschland wieder mit dabei. Wir spielen unsere eigene WM. Es gibt mit dem DFB noch Probleme, weil 3 andere Spieler und ich da zur Teilnahme angeblich einen Behindertenausweis brauchen mit mindestens 50 Prozent Behinderung). Bei der EM 2008 hat das niemanden interessiert. Es wird ein Turnier mit 16 Mannschaften sein. Die Gruppenauslosungen stehen noch aus. Ich hoffe sehr, mit dabei sein zu können. Vom Trainer aus ist es kein Problem. Unsere WM läuft vom 1. August bis Anfang September. Spielausschnitte wird es dann im Internet geben und wahrscheinlich auch bei TV Berlin. Hier im Internet – im OSTERnet – wird stehen, wo und wie man unsere Spiele verfolgen kann.

Was gefällt Dir hier im Kiez, und was eventuell weniger? Und was sollte im Kiez besser oder anders gemacht werden?

Mir gefallen die Osterkirche und der Sprengelpark. Und es gibt hier auch ein paar Leute, die gut drauf sind – mit denen ich auch gerne mal ein Bierchen trinken gehe.

Nicht gefallen mir die Spinner, die hier im Kiez immer so aggressiv auftreten. Die gibt es besonders am Sparrplatz. Auch die Trinker – mir gefällt nicht, dass die sich da so breit machen und dass die Kinder, die dort entlang laufen, das alles mitbekommen. Das ist für mich eine traurige Sache. Die Leute vom Ordnungsamt – die tun nichts, oder zu wenig.

Was sind Deine besonderen Wünsche?

Ich wünsche mir Kinder – 14 Kinder. Das wäre dann genug für eine Fußballmannschaft plus Ergänzungsspieler.

Ich wünsche mir, einmal im Leben den WM-Titel zu gewinnen.

Ich wünsche mir Gesundheit – für meine Familie, die mich immer unterstützt, wo ich nicht weiterkomme; auch für meine künftigen Kinder, meine (künftige) Frau und mich selbst.

Was verbindet Dich mit der Osterkirche?

Da sind zum ersten die Fahrten mit der Osterjugend nach Schweden und Frankreich – geleitet von Hans-Peter Meyendorf und begleitet von Reimer Piening. Auch an die Konfi-Fahrten und die Fahrten nach Schöningen zum Anwesen von Reimar Piening erinnere ich mich gerne. Und natürlich an meine allererste Fahrt nach Frankreich – mit Marga Dolinski. Nach einigem Hin und Her nahm man mich als absoluten Benjamin mit.

Bei Laib und Seele habe ich in der Anfangsphase viel mitgemacht.

Ich wurde mit 14 Jahren in der Osterkirche konfirmiert – von Pfarrerin Stobbe. Durch die Hochzeit meiner Mutter hier in der Osterkirche ergibt sich eine zusätzliche Bindung an diese Kirche – wie auch durch die Konzerte. Und ich helfe Hans-Peter Meyendorf und seinem Team öfter mit beim Bühnenaufbau. Auch bei Umzügen – zum Beispiel der früheren Pfarrerin, Frau Stobbe – habe ich mit angepackt.

Welches ist Deine Lieblingsstelle in der Bibel, und was bedeutet sie Dir?

Da muss ich nachdenken. Klar, die 10 Gebote – die einzuhalten, hat mir auch meine Mutter beigebracht. Daran halte ich mich auch.

 

(erzählt von Pascal Ninnemann, aufgeschrieben von Michael Gumbert)