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k17 silka riedelName und Geburtsdatum:

Mein Name ist Silka Riedel. Ich wurde 1978 in Dresden geboren und bin dort aufgewachsen. Vor fünfzehn Jahren bin ich nach Berlin gezogen, um Sprachwissenschaften und Archäologie studieren.

Wie kamst Du in den Sprengelkiez?

Den Sprengelkiez habe ich über einen Freund kennengelernt. Es hat mir hier auf Anhieb gefallen. Seit zehn Jahren lebe ich selbst hier. Mittlerweile habe ich hier viele Menschen kennengelernt und fühle mich sehr wohl. Übrigens treffe ich immer wieder Leute in Berlin, die diesen Kiez kennen und etwas darüber zu erzählen haben.

Was machst Du im Sprengelkiez?

Ich engagiere mich in der Konfliktagentur im Sprengelkiez. Angefangen hat es für mich 2004, als Bewohner/-innen unseres Kiezes im SprengelHaus zu Mediatoren ausgebildet wurden. Ein Mediator vermittelt in Konflikten.

Stellen Sie sich vor, eine Familie wohnt unter einer unternehmungslustigen Wohngemeinschaft. Die WG bekommt häufig Besuch und feiert gelegentlich Partys. Wenn es den Eltern zu laut ist, klopfen sie an die Decke oder an die Heizung. Mit der Zeit herrscht eine angespannte Stimmung zwischen den Mietern. Daraufhin wendet sich das Ehepaar an die Hausverwaltung, die jedoch nichts unternehmen möchte. Am Ende sind alle entnervt und keiner fühlt sich wohl in den eigenen vier Wänden.

In solchen Fällen und bei vielen anderen Streitigkeiten können wir helfen. Wir sprechen mit allen Streitparteien und moderieren das Gespräch, wenn sie sich gemeinsam an einen Tisch setzen. Dabei achten wir darauf, dass sich beide Parteien respektvoll begegnen. Stück für Stück nähern wir uns den unterschiedlichen Sichtweisen, Bedürfnissen und Wünschen an. Die Beteiligten lernen sich besser kennen und verstehen. Dadurch finden sie leichter zu einer Lösung. Außerdem gehen Menschen nach einer Mediation respektvoller miteinander um.

Zusammen mit zehn weiteren Mediatoren bin ich in der Konfliktagentur aktiv. Vor zwei Jahren haben wir unsere eigenen Räume am Sparrplatz bezogen. Ende letzten Jahres haben wir einen Verein gegründet. Es wird also nicht langweilig und es gibt viel zu tun. Wir arbeiten mit Freude und Engagement daran, gute Wege für ein friedvolles Miteinander und einen lebenswerten Kiez zu finden. Konflikte gehören zum Leben dazu. Uns geht es darum, einen guten Umgang damit zu vermitteln. Wir unterstützen bei Streitigkeiten in der Nachbarschaft, in Familie und Partnerschaft, am Arbeitsplatz oder im öffentlichen Raum. Wir behandeln alle Anliegen vertraulich und verhalten uns neutral. Unser Angebot ist für alle Bewohner/-innen des Sprengelkiezes kostenfrei.

Was gefällt Dir am Sprengelkiez?

Ich fühle mich hier sehr wohl. Der Kiez liegt relativ zentral in Berlin und ist gut angebunden. Am wichtigsten ist für mich die grüne Lage. Ich laufe gerne, skate oder fahre mit dem Fahrrad. Das ist hier alles wunderbar möglich. Direkt am Radfernweg Berlin-Kopenhagen gelegen geht es am Kanal entlang über den Volkspark Rehberge, die Jungfernheide und den Tegeler See bis nach Brandenburg und weiter hinaus. Ich habe hier oder in der Nähe alles, was ich brauche. Auch das kulturelle Leben hat einiges zu bieten mit einem Theater und ein paar sehr originellen Kneipenwirten. Überall gibt es aktive Menschen, die sich mit ganz viel Herz engagieren.

Ich empfinde das Leben hier als bunt und authentisch. Es ist einfach so wie es ist. Die Menschen haben die unterschiedlichsten sozialen und kulturellen Hintergründe und sie leben in unserem Kiez nebeneinander und miteinander.

Was gefällt Dir weniger, was müsste oder könnte im Sprengelkiez besser gemacht bzw. weiterentwickelt werden?

Ich finde es gut, wenn sich die Dinge weiterentwickeln. Selbst wenn sie schon gut sind. Daher gibt es auch hier an allen Ecken etwas zu tun. Mein besonderes Anliegen ist natürlich, für einen konstruktiven Umgang mit Konflikten zu sorgen. Ich finde es toll, wenn Menschen miteinander reden. Umso besser ist es, wenn sie das respektvoll und authentisch tun.

Das einzige, was mich immer mal wieder ärgert, sind gewisse Hinterlassenschaften von Zwei- und Vierbeinern. Ich gehe oft durch den Kiez und finde es nicht schön, wenn dann so viel Müll herumliegt oder ich aufpassen muss, nicht in Hundescheiße zu treten. Ich finde das so unnötig.

Warst Du schon mal in der Osterkirche? Was fällt Dir zur Osterkirche ein?

Ich war schon zu Veranstaltungen in der Osterkirche oder zu einer Quartiersratssitzung. Bisher habe ich es leider noch nicht geschafft, an einer Turmbesteigung teilzunehmen. Dabei bin ich schon von klein auf immer gerne auf Kirchtürme gestiegen. Ich finde es toll, dass das auch in unserem Kiez möglich ist.

Die Osterkirche macht auf mich einen sehr lebendigen, offenen Eindruck. Da ist für jeden etwas dabei. Es finden häufig Konzerte, Lesungen und Ausstellungen statt, es gibt eine sehr lebendige Osterjugend mit spannenden Reisen und einem Übungsraum für Musik. Außerdem ist die Osterkirche auch im Quartiersrat vertreten und engagiert sich im Kiez mit Projekten wie Laib und Seele.

Nicht zuletzt ist die Kirche auch etwas für das Auge, von innen wie von außen. Die roten Backsteine mit den grünen Blätterranken bringen Farbe und Abwechslung in unseren Kiez. Einfach eine markante Straßenecke.

Schließlich begann auch der Umzug der Konfliktagentur an den Sparrplatz in der Osterkirche. Im Jahre 2007 gab es dort eine große Bürgerversammlung, weil sich viele Bürger mit den großen Trinkergruppen auf dem Sparrplatz nicht wohl fühlten. In den folgenden Monaten haben wir zahlreiche Gespräche mit Anwohnern, Trinkern, Gewerbetreibenden, Kitas und verschiedenen Institutionen geführt. Es zeigte sich, dass die Probleme sehr vielschichtig sind und sich nicht schnell und einfach lösen lassen. Danach wurde für zwei Jahre ein Streetworkerprojekt von Gangway gefördert. Das hat die Situation am Sparrplatz entspannt, und die Konfliktagentur arbeitet bis heute gut mit den Streetworkern zusammen.

Was ist Dein Rat an die oder für die Menschen im Sprengelkiez?

Ich möchte eigentlich keinen Rat geben. Ich wünsche mir, dass die Menschen sich ihr Lebensumfeld und ihr Miteinander so gestalten, dass sie gut und gerne hier leben können.