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k15 angela bochumName: Angela Bochum

Geboren: 1959 in Berlin-Wedding

Hallo Angela, erzähl uns doch mal etwas von Deiner Familie und Deiner Herkunft. Wie war Deine Kindheit? Wo und wie bist Du aufgewachsen? Wer und was hat Dich geprägt?

Meine Eltern und Großeltern sind im Wedding aufgewachsen, lebten und arbeiteten hier. Mein Vater hat Autoschlosser gelernt und lange Zeit in einer Werkstatt gearbeitet, bis die Firma schloss. Danach arbeitet er bei unterschiedlichen Firmen, war aber immer zuständig für die Reparatur von Maschinen und Betriebseinrichtungen. Inzwischen genießt er seine Rente. Seine größte Leidenschaft und Hobby ist der Automobilsport. Er selber ist aktiv Motorrad- und Autorennen bis 1990 gefahren. Viele Pokale und Preise hat er gewonnen. Seit vielen Jahren ist er nur noch als Sportkommissar bei Veranstaltungen tätig, so z.B. bei den jährlichen Eisspeedway-Weltmeisterschaften in Wilmersdorf, und er unterstützt den Jugendsport.

Meine Mutter hat 37 Jahre als Sachbearbeiterin für Kriegsschadensrenten beim Bezirksamt gearbeitet. Ihre Leidenschaft galt immer, meinen Vater bei all seinen Aktivitäten zu unterstützen. Heute beschäftigt sie sich am liebsten in ihrem Garten. Mit viel Geduld zieht sie ihre Tomaten und Blumen aus Samen des Vorjahres auf dem Fensterbrett vor und stellt Marmeladen oder andere Produkte aus den Früchten des Gartens her.

Ich bin bis zur Einschulung tagsüber bei meiner Großmutter gewesen und habe mit ihr viele Abenteuer erlebt. Meine beiden Brüder, die zwei Jahre jünger und Zwillinge sind, waren in der Zeit im Kindergarten. Inzwischen sind beide seit vielen Jahren verheiratet und haben jeder zwei Jungen, die im Alter von 10 , 13, 17 und 21 Jahren sind.

Am 24.5.1959 wurde ich in der Kapernaum-Kirche getauft. Am 1.4.1965 wurde ich in die Gustav-Falke-Grundschule eingeschult und ein Jahr später in die Carl-Craemer-Grundschule umgeschult, weil wir in eine Neubauwohnung in die Koloniestraße zogen. Meine Eltern wohnen noch heute in dieser Wohnung. Ich bin behütet und doch frei aufgewachsen. Meinen Eltern war immer wichtig, dass jeder von uns lernt, sich seine eigene Meinung zu bilden und sie zu vertreten, aber trotzdem brauchte ich viele Jahre, um das auch umsetzen zu können. Ich war früher immer sehr schüchtern und traute mich nicht. Während der ersten Schuljahre sind wir nachmittags in einem Hort betreut worden, und danach waren wir Schlüsselkinder.

Unsere Spielplätze waren die Soldiner- und Koloniestraße sowie die Grünanlage an der Panke. Das Miteinander der vielen verschiedenen Familien und Kulturen hat mich immer fasziniert, ich wusste über vieles im Kiez Bescheid und hatte viele Freunde. Am 1.4.1973 wurde ich von Pfarrer Königsdorf in der Stephanus-Kirche konfirmiert.

Die Beziehung zu meinem Vater und seinen Aktivitäten hat mich sehr geprägt, wir haben ein sehr festes und schönes Verhältnis, das hoffentlich noch lange möglich ist.

Im Winter 1985 lernte ich meinen Mann kennen, der bei der BVG arbeitete, und seinen 3jährigen Adoptivsohn. Am 20.8.1986 haben wir im Standesamt Wedding geheiratet. Einen Monat später fand in der Stephanus-Kirche die kirchliche Trauung mit Pfarrer Königsdorf statt. Unsere gemeinsame Wohnung war in der Türkenstraße.

Am 9.10.1989 erlebten wir einen schweren Schicksalsschlag, unser Sohn verunglückte mit seinem Schulbus schwer und starb zwei Tage später an seinen schweren Verletzungen. Wir haben damals eine schwere Entscheidung treffen müssen: Erhalten wir ihn mit der Atmungsmaschine am Leben oder lassen wir sie abschalten, denn der Gehirntod war bereits eingetreten? Wir entschieden uns damals für das Abschalten und gaben ihn in Gottes Hand. Ich habe diese Entscheidung nie bereut. Der Tod unseres damals 8jährigen Sohnes hat mich viele Jahre sehr beschäftigt, nicht nur, weil sich die Gerichtsverhandlungen endlos hinzogen.

Drei Jahre später trennte ich mich von meinem Mann, und jeder ging nach der Scheidung seiner Wege.

Ich zog für drei Jahre nach Pankow in eine kleine Wohnung und kam 1996 wieder in den Wedding zurück und zog in die Utrechter Straße. In einer hübschen Zweizimmerwohnung wohne ich immer noch mit meinem 9jährigen Kater Max zusammen.

Ich liebe alte und neue Kinder- und Sachbücher. Meine kleine Bibliothek wird gerne auch von Kolleg/innen zu Projekten benutzt. Auch heute noch schreibe ich für einige Verlage Beurteilungen zu neuen Büchern. In Geschichten, Erzählungen oder Ideen einzutauchen lässt mich die Hektik und den Trubel um mich herum vergessen. Manchmal entstehen daraus eigene Ideen für neue Projekte. Besonders gerne male ich mit unterschiedlichen Stiften und Farben eigene Motive und Bilder, nur hatte ich dafür in den letzten Jahren nur beim „Frauentee“ Zeit. Ich experimentiere gerne mit unterschiedlichen Techniken und Materialien. Aus so manchen Versuchen sind Angebote im Kindergartenalltag im Atelier entstanden.

Das ist ja ‚ne Menge Stoff. Aber noch mal zurück und der Reihe nach: Wie war Deine Ausbildung, Dein beruflicher Werdegang?

Nachdem ich meinen Realabschluss in der Tasche hatte, begann ich im April 1976 an dem Pestalozzi–Fröbel–Haus meine Ausbildung zur Erzieherin. Meine Eltern haben uns freigestellt, welchen Beruf wir erlernen wollen, nach dem Motto „Ihr sucht Euch den Beruf aus und wir die beste Ausbildungsstätte“. In der Zeit habe ich viele tolle Erfahrungen gemacht, und noch heute habe ich schöne Erinnerungen an diese vier Jahre.

Im Frühjahr 1979 hatte ich meine staatliche Anerkennung als Erzieherin und begann in einem privaten Säuglings- und Kleinstkinderheim in Zehlendorf-Düppel zu arbeiten. Im Tagesschichtdienst (drei Tage à 12 Stunden – dann drei Tage frei) war ich anfangs für sechs Kinder im Alter von 4 bis 6 Jahren Ersatzfamilie. Später arbeitete ich in allen Altersgruppen.

Im Sommer 1984 begann ich berufsbegleitend die Weiterbildung zur Heilpädagogin und schloss sie erfolgreich mit einem Zertifikat vom Senat Berlin im November 1986 ab. Bis ich im Oktober 1985 aufhörte, hatte ich alle Kinder und Erwachsene für ein Jahr mit leckeren Gerichten in der Heimküche versorgt. Ich war für Einkauf und Kochen für insgesamt 25 Kinder und Erwachsene zuständig.

Nachdem ich meinen Mann und seinen Sohn Steffen kennen lernte, entschied ich, den Arbeitsplatz zu wechseln, um mehr Zeit für Gemeinsamkeiten zu haben. Sehr schnell war zu spüren, dass Steffen eine besondere Unterstützung braucht, um seine Vergangenheit und seine Verhaltensauffälligkeiten bewältigen zu können. Im Frühjahr 1986 gründete ich mit einigen Familien den Verein „Die Entdecker“ e.V. als Träger eines Kinderladens in Reinickendorf, den ich für sechs Monate leitete.

Wie kamst Du zur Osterkirche und zur Osterkita?

Nach einigen Kontroversen im Verein wechselte ich am 6.10.1986 in den Hort der Osterkita. Hier habe ich 18 Jahre lang mit Schulkindern, den Familien und vielen Kolleg/innen gearbeitet, bis ich 2005 die Etage und die Altersgruppen wechselte. Bis 1998 verreisten wir fünfmal mit Hortkindern, und ich habe daran viele Erinnerungen.

Ab 2002 fanden immer mehr Kinder mit einer Behinderung oder von Behinderung bedroht einen Platz in der Kita. Anfangs waren es 2 bis 3 Schulkinder. Da ich die Heilpädagogen Ausbildung habe, wurde ich vom GKR mit der speziellen Förderung der Kinder im Alltag beauftragt. 2005 waren es schon 8 Kinder, wovon die meisten Kinder im Kindergartenalter waren und ich deshalb für ihre Unterstützung die Etage wechselte.

Gleichzeitig kam hinzu, dass im Januar 2005 ein neues Schulgesetzt in Kraft trat. Danach musste auch die Osterkita ihren Hort in Kindergartenplätze umwandeln.

Viel Entwicklung war notwendig, bis wir zum Konzept der halboffenen Arbeit mit Kerngruppen gekommen sind. Heute treffen sich die Gruppen täglich für eine Stunde mit ihren Bezugspersonen. Ich betreue seit 2006 die älteren Kinder bis zum Schuleintritt, und gemeinsam haben wir viele schöne Projekte gemacht und Erlebnisse gesammelt. So haben wir beispielsweise mit einer Geschichte über die Erlebnisse im Schulgarten den 4. Platz beim Umweltpreis Mitte 2007 geholt und gewannen in diesem Jahr mit einem Trickfilm über die praktische Arbeit im Schulgarten den Kindergarten-Sonderpreis.

Viele tolle Aktionen habe ich in der Vergangenheit mit Kindern gemacht. So haben wir über mehrere Jahre uns mit Angeboten am Umwelt-Kinder-Tag beteiligt. Viel Spaß hatte ich mit dem Projekt „Mit der Storchenpuppe Rudi-Langbein die Herkunftsländer der Kinder und Familien entdecken“. Hierzu gab es in der Galerie der VHS-Wedding 1999 eine Ausstellung, die vom damaligen Bezirksbürgermeister Nisblé eröffnet wurde. So manche Freunde haben mir schon oft gesagt: „Schreib’ doch mal ein Buch!“, aber dazu bräuchte ich Zeit.

In den bisher fast 24 Jahren habe ich viele Veränderungen und Bauarbeiten in der Kita und Gemeinde miterlebt, so z.B. wie aus Gemeinderäumen Wohnungen wurden, neue Raumgestaltungen durch Umstrukturierungen und Altersumstellungen, diverse Deckenöffnungen wegen Wassereinbruch, zweimal den Umbau des Hofes, Bau und Gestaltung des Aktionsraumes und vieles mehr. Die jetzt laufende große Sanierung ist allerdings was ganz Besonderes und lässt mich hoffen, dass wir in schöne neue Räume ziehen.

Damit ich nicht stillstehe in meiner Arbeit und mit den Kindern auch weiterhin ihre Fragen beantworten, mit ihnen Projekte entwickeln und umsetzen kann, nehme ich seit November 2009 an einer Weiterbildung zur Facherzieherin für Naturwissenschaft und Medien teil, die mir sehr viel Spaß macht.

Du hast eben schon ein paar Stichworte genannt – Du hast viele Projekte und Initiativen gestartet. Wie ging es eigentlich los mit all diesen vielen Aktivitäten?

Angefangen hat alles, nachdem ich mich 1996 aus meinem „Schneckenhaus“ in meiner Freizeit wieder unter Menschen getraut habe. Lange Zeit brauchte ich, um zu lernen, mit dem Tod von Steffen und der Trennung von meinem Mann umgehen zu können.

Freunde halfen mir und unterstützten mich, aus dieser Krise zu kommen. Ich zog wieder in den Wedding, ließ mich in die Ostergemeinde um gemeinden und engagierte mich politisch im Initiativkreis Lokale Agenda 21, gründete mit vielen Freunden das Verkehrsforum e.V. und wurde als Vertreterin des Vereins in die erste Vergabejury vom Quartiersmanagement Sparrplatz berufen.

Die Sicherheit und die Verantwortung für das Lebensumfeld von Kindern standen dabei für mich immer im Vordergrund, wobei ich mich auch für den Erhalt und die Gestaltung von Grünzonen im Bezirk einsetzte. Viel Unterstützung erhielten wir vom damaligen Bezirksstadtrat für Umwelt, Bernd Schimmler, und von Michael Weiß, zuständig für Politik und Gesellschaft in der VHS Wedding. In diesem Zusammenhang entstanden viele Veranstaltungen bis hin zur Initiierung der „Zukunfts-Konferenz Müllerstraße“ Ende Mai 1999.

Während der Konferenz entstand das Projekt „Interreligiöser Dialog Wedding“. Inzwischen ist es Teil des Vereins „InterReligiöses Zentrum Berlin e.V.“, dessen 1. Vorsitzende ich seit Dezember 2005 bin. Der Verein unterstützt nicht nur die Aktivitäten des „Frauentees“, sondern beteiligt sich seit letztem Jahr an dem Vorhaben „Religionen auf dem Tempelhofer-Feld“. Die interkulturelle und interreligiöse Arbeit ist mir sehr wichtig.

Als ich mich mit den Inhalten der „Agenda 21“ und der UNO Konvention zu den Rechten von Kindern beschäftigte, entwickelte ich die Idee, Kindern und Erwachsenen diese Inhalte mit einfachen Fragen und Möglichkeiten näher zu bringen. Durch die Arbeit mit der Storchenpuppe Rudi-Langbein und dem Bezug zu verschiedenen Ländern entstand der Gedanke, sich damit intensiver zu beschäftigen.

Ich erfuhr von einem ähnlichen Projekt in Tiergarten, und es dauerte nicht lange, bis aus zwei Ideen die Initiative „Fliegende Agenda 21“ entstanden ist. Das „Fliegend“ hat den Hintergrund, dass beide Ursprungsideen mit Störchen als Mottofigur mit Kindern arbeiteten.

Bis 2004 hat die „Fliegende Agenda 21“ sich regelmäßig im November mit einem Stand und kreativen Angeboten am Bildungsprogramm während der Import-Shop-Messe unter dem Funkturm beteiligt. So konnten Schulklassen, Freizeitgruppen und Interessierte bei unterschiedlichen Initiativen und Vereinen für 30 Minuten bis 2 Stunden in ihre Angebote schnuppern. Einige entschieden sich später, mit uns einen Projekt-Tag in ihrer Schule oder Einrichtung zu gestalten. Auch nach fast 11 Jahren sind wir noch immer als Initiative zu unterschiedlichen Aktivitäten unterwegs. Mit einzelnen Themen engagieren wir uns unter anderem im Verein Future-on-Wings e.V., dessen Finanzen ich verwalte.

Durch Gespräche mit Freunden und dem Interesse von drei Mädchen, die Lust hatten sich in ihrer Freizeit mit unterschiedlichen Fragen zur Lebenssituation von Kindern in der Welt im Vergleich zu ihrem und dem Spaß am Experimentieren mit dem Computer und einer Digitalkamera zu beschäftigen, entstand im September 2000 die erste Kindergruppe „ZukunftsDetektive“.

In den ersten Jahren trafen wir uns im Nachbarschaftsladen in der Torfstraße. Schon bald vergrößerte sich die Gruppe auf 6 Mädchen im Alter von 7 bis 9 Jahren. Mit digitalen Geschichten über ihren Kiez und wie die verschiedenen Länder im Bezirk sichtbar werden, gewannen die Mädchen so einige Preise bei Netzstadtspielen und anderen Wettbewerben, die sich mit den „Neuen Medien“ beschäftigten. Mit vielen Ländern und Fragen haben sich die Kindergruppen auseinander gesetzt. Seit 2005 unterstützt uns Sultan Bayram, so können wir besonders Kinder mit türkischer Herkunftssprache in der Erweitung ihrer Sprachkompetenz fördern.

Finanzielle Unterstützung erhielten wir 2005 und 2006 in Form von Fördermitteln der Aktion Mensch aus dem Programm „5000xZukunft“ sowie 2007 und 2008 vom Bezirksamt Wedding über das Quartiersmanagement Sparrplatz. Im November 2006 erhielt die Kindergruppe für ihr Angebot „Mädchen im Umgang mit Technik fördern“ den MediaMAX Sonderpreis.

In diesem Jahr feiern wir im September 10jähriges Bestehen. Dazu möchten die Kinder gerne einen Ausflug in das Storchenkrankenhaus nach Loburg unternehmen, und es wird Ende September eine Ausstellung in der Osterkirche geben.

Das Projekt „Frauentee“ entstand 1998 im Kindergarten. Ilse Babinsky, damalige Kita-Leiterin, die ehemalige Pfarrerin Stobbe, Mitarbeiterinnen der Kita und Mütter stellten sich unter anderem die Fragen:

Wie gehen wir im Alltag der Kita mit den verschiedenen Glaubensrichtungen um? Wie findet der gelebte Glaube im Alltag statt? Welche Feste können wir gemeinsam feiern?

Im Rahmen monatlicher Treffen für Frauen aus der Gemeinde, der Kita und dem Kiez, wollten wir uns zu Gespräch über Glauben, Tradition, Alltag und Erziehung diesen Fragen stellen. In den ersten Jahren fanden zwei mehrtägige Reisen und viele Tagesausflüge statt. Im Jahre 2005 standen wir vor der Frage, lösen wir das Treffen auf oder machen wir in veränderter Form weiter? Denn inzwischen waren die Kinder der Mütter dem Kindergarten entwachsen und andere Themen standen dort im Vordergrund.

Viele Freundschaften waren in den letzten Jahren entstanden. Daher entschieden wir uns für das Weitermachen. Die Frauen entschieden, dass Sultan Bayram und ich alles Notwendige organisieren und Ansprechpartner für Fragen aus dem Kiez und der Gemeinde sein sollten. Die Suche nach einem geeigneten Ort für die Treffen gestaltete sich über einige Jahre schwierig, die Gruppe wurde immer größer. Auch haben sich die Themen nach und nach verändert. So begannen wir, jeweils ein ganzes Jahr unter ein „Motto“ zu stellen, z.B. „Feste in anderen Glaubensrichtungen“ oder „Vom Faden zum Kunsthandwerk“. Kreative Aktivitäten nahmen einen immer größeren Anteil bei den Treffen ein. Aber das Gespräch in gemütlicher Runde bei Tee und leckeren Speisen steht immer noch im Vordergrund. Derzeit malen oder basteln wir mit unterschiedlichen Materialien.

2007 fanden wir im Jugendcafé einen Ort, der sich wunderbar für unsere Aktivitäten eignete. Der Zugang zu einer Küche, zu Wasser und Toiletten ist problemlos möglich, und wir haben ausreichend Platz für Groß und Klein, denn seit einiger Zeit gibt es wieder viele kleine Kinder, die bei den Treffen dabei sind.

Für das nächste Jahr planen wir eine interkulturelle Reise in die Türkei, in die Nähe von Izmir an der nördlichen Ägäis. Das Evangelisch Deutschsprachige Gemeindezentrum St. Helene in Izmir konnten wir schon als Kooperationspartner gewinnen, weitere Zusagen stehen noch aus. Auch ist die Finanzierung noch nicht geklärt, da gestellte Förderanträge bisher keinen Erfolg hatten. Aus dem Grund wurde die Reise bereits um ein Jahr verschoben.

Des Weiteren bin ich Gründungsmitglied von der Stadtteilgenossenschaft Wedding und Mitglied im Förderverein der Osterkirche und sitze im Gemeindebeirat.

Beeindruckend, was Du hier alles erzählst. In wiefern haben Dich die dabei gewonnenen Erfahrungen auch persönlich geprägt?

Auch wenn sich die ehrenamtliche Arbeit viel anhört, sie ist aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken. Ich könnte heute nicht sagen: „Das gebe ich auf!“ Für mich ist mein berufliches Engagement genauso wichtig wie alles andere. Heute delegiere ich allerdings so einiges, auch wenn es mir schwer fällt.

Welche Rolle spielt Dein christlicher Glaube bei all den Dingen, die Du tust?

In meiner Familie spielte der christliche Glaube nie eine große Rolle. Meinen Eltern war und ist es heute nur ein wichtiges Ritual, am Heiligen Abend in die Kirche zu gehen. Sie sind der Stephanus-Kirche treu geblieben, auch wenn sie einige Jahre der Mitgliedschaft der Kirche den Rücken gekehrt hatten, heute sind sie wieder Gemeindemitglied.

Im Konfirmandenunterricht, im Turmzimmer der Stephanuskirche, gab es viele unterschiedliche Gespräche über Glauben und Werte. Aber davon weiß ich heute nichts mehr. Beeindruckt hat mich damals der Umgang miteinander, die Akustik der Kirche und dass ich im Chor auf der Empore singen oder mit der Flöte spielen durfte.

Mit der Bibel beschäftigte ich mich erst wieder, als mein Sohn Steffen mich nach einigen Geschichten fragte, und wir kauften uns eine Kinderbibel. Nach seinem Unfall fand ich in den Gesprächen mit Pfarrer Nocke, der damals in der Osterkirche tätig war, viel Trost.

Nach und nach beschäftigte ich mich wieder mit unterschiedlichen Themen, fuhr zu Kirchentagen, informierte mich und lerne noch heute immer wieder neue Teile kennen. Dazu zählen für mich die Vorbereitungen für „Kita-Kinder in der Kirche“ oder die Vorbereitung von Gottesdiensten, wie Ostermontag oder in diesem Jahr den Familiengottesdienst an Himmelfahrt und den Schulanfängergottesdienst.

Mein Leitgedanke liegt in der „Schöpfungsgeschichte“, denn hier heißt es: Erstmal sind alle Menschen gleich, egal welcher Hautfarbe oder welchem Glauben sie angehören. Damit kann ich neugierig auf andere Menschen und ihren Glauben zugehen und die Unterschiede erkennen und achten.

Was bedeutet Dir die Osterkirche und die Osterkirchengemeinde?

Ich kenne die Kirche jetzt seit fast 24 Jahren und bin immer wieder von ihrer Schönheit und guten Akustik angetan. Den Altar oder die Emporen mit farbigem Licht zu bestrahlen, hat mich bei den letzten großen Veranstaltungen sehr beeindruckt und zeigte mir noch mal ganz andere Seiten.

In den letzten Jahren habe ich so manche Frage, Geschichte und Erzählung entdeckt oder gehört, wenn wir montags mit den Kita-Kindern in der Kirche sind. Gerade mit den Kindern ist mir die Achtung des Andersseins wichtig, und dass wir die unterschiedlichen Glaubensrichtungen wahrnehmen.

Das, finde ich, ist in der Gemeinde in den letzten Jahren gut gelungen. Als Kirche im Kiez wird hier die Vielfalt sichtbar und jeder hat seinen Platz oder wird wahrgenommen. Auch wenn sich nicht alle Probleme gleich lösen lassen.

Was sind Deine neuen Pläne? Woran arbeitest Du gerade?

Im Rahmen meiner Weiterbildung werde ich mit den Kindern das Projekt „Kleine und große Baumeister“ umsetzen, in dem wir uns mit unterschiedlichen Bauwerken und Baustoffen beschäftigen werden. Als ich vor die Frage gestellt wurde, mit welchem Thema ich mein Projekt durchführen möchte, fiel meine Entscheidung sehr schnell.

Mit der Sanierung erleben wir jeden Tag eine Baustelle. Ich will nicht alles verraten, aber es sind einige Ausflüge, viele Experimente geplant und die Kinder werden alles digital dokumentieren.

Für die „ZukunftsDetektive“ müssen dringend Förderanträge geschrieben werden, und einige Vorbereitungen für den Ausflug und die Ausstellung stehen an. Auch für die interkulturelle Türkeireise müssen Anträge geschrieben und Sponsoren gefunden werden.

Zwischendurch planen wir im „Frauentee“ den 2. Open-Air Gottesdienst am 12.09. um 11:00 Uhr im Sprengelpark im Rahmen der Interkulturellen Woche 2010 „Zusammenhalten – Zukunft gewinnen – Zukunft gestalten“ und wollen das Ende des Ramadan feiern.

Wenn Du 5 oder 10 Jahre nach vorne schaust, wo siehst Du die Osterkirchengemeinde und wo die Osterkita?

Einer meiner Wünsche wäre, dass in 5 Jahren die Osterkita immer noch in der Trägerschaft der Ostergemeinde ist und wir sichere Arbeitsplätze haben. Ich möchte in den nächsten Jahren noch viele Ideen und Wegstrecken mit den Kindern und ihren Familien gehen können.

Ich hoffe, der Zuwachs an jungen Familien spiegelt sich auch in der Gemeinde und in den Gruppen wider. Die neuen Projekte wie der „Kindergottesdienst“ haben sich auch für die Kleinsten geöffnet und sind den „Kinderschuhen“ entwachsen.

Welche Unterstützung würdest Du Dir für Deine Arbeit und Deine Projekte wünschen - von der Gemeinde, vom GKR, vom Kirchenkreis, von anderen?

In der Gemeinde habe ich bisher häufig viele positive Rückmeldungen auf meine Projekte und Arbeit erhalten, die mich bisher stärkten und mir Mut machten, auf diesem Weg weiter zu gehen. Wenn sich eine kleiner Platz für Material und Utensilien für den „Frauentee“ und die „ZukunftsDetektive“ nach dem Umbau im Jugendcafé finden ließe, währe es eine große Hilfe, denn bisher bringe ich alle Materialien zu allen Treffen von zu Hause mit. Das ist manchmal ganz schön viel und schwer.

Im Kirchenkreis wurde ich früher ab und zu unterstützt durch Renate Fiebig, die mir häufig Tipps oder den Anstoß für so manche Idee gab. In einigen Gesprächen mit Superintendent Martin Kirchner bezüglich der interreligiösen Arbeit fand ich unterschiedliche Ansätze oder Hilfestellungen.

In den ersten Jahren habe ich die Kindergruppen „ZukunftsDetektive“ immer mit Restmaterialien aus anderen Projekten finanziert. Aber da sich die Gruppenstärke immer mehr stabilisierte und ab September evtl. 10-12 Kinder kommen, ist das schon lange nicht mehr möglich. Eine Fremdfinanzierung über eine längere Zeit für Ausflüge, Material und die dringende Anschaffung von technischen Geräten ist erforderlich. Aber leider ist bis auf wenige Ansätze alles in der Vergangenheit fehlgeschlagen. An der Lebendigkeit und dem Spaß der Kinder kann ich die Notwendigkeit des Angebotes absehen. Inzwischen haben sich die Kinder auch an den Raum Kirche gewöhnt, nur einige muslimische Mütter haben noch Hemmungen.

Was ist Deine Lieblingsstelle in der Bibel? Und was bedeutet sie Dir?

1. Moses (Genesis) 1,1 – 2,4

... Gott sagte zu den Menschen: „Vermehrt euch und breitet euch über die Erde aus! Ich setze euch über die Fische und über die Vögel und über alle anderen Tiere. Ich vertraue sie eurer Fürsorge an.“ ....

Die Schöpfungsgeschichte hat mich in meinem Arbeiten und Handeln immer begleitet und angeregt. So ist es für mich selbstverständlich, im Alltag und in meiner Freizeit im Einklang mit der Natur zu Leben. Dazu gehört für mich, z.B. ökologische Materialien und Produkte zu verwenden, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad zu fahren und mich für Nachhaltigkeit und dem Erhalt einer gesunden Umwelt einzusetzen und andere darüber aufzuklären.

In der Geschichte wird kein Unterschied zwischen Hautfarbe und Glauben gemacht. Das unterstützt mich immer wieder in meiner interkulturellen Arbeit und hilft mir dabei, denn erstmal sind alle Menschen gleich - egal welcher Herkunft.

Was ist Dein Lieblingslied im Gesangbuch? Und was bedeutet Dir dieses Lied?

“Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott“

Es war eines der ersten Lieder, die ich im Konfirmandenunterricht bei Pfarrer Königsdorf gelernt habe. Zu unterschiedlichen Anlässen hat es mich in den letzten Jahren immer wieder begleitet. Ich finde den Text und die Melodie sehr schön. Manchmal geht es mir so schnell nicht wieder aus dem Kopf.