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k12 rosi dagName und Alter: Rosemarie Dag, 57 Jahre alt (1952 geboren)

wohnt im: Sprengelkiez, in der Tegeler Str.

Beruflicher Werdegang:

Nach meiner Schulzeit (Abschluss im Jahr 1966) habe ich als Auffüllerin der Regale bei Coop in Neukölln gearbeitet. 1971 kam das erste Kind zur Welt, mein Sohn Marco. 1981 kam der zweite Sohn – Marcel – zur Welt, und schließlich im Jahr 1984 Pascal.

Ich war Mutter und Hausfrau. Ich habe zum Familieneinkommen kräftig durch eigene Arbeit beigetragen durch meine Arbeit als Putzfrau.

Schwierig war es oft, meine Arbeitszeiten und meine Verantwortung als Mutter unter einen Hut zu bringen. Weil mein Mann, mein ältester Sohn und auch viele Freunde geholfen haben, hat das alles geklappt. Denn es musste klappen.

 

Wie sind Sie in den Sprengelkiez gekommen?

Wir wohnen seit 22 Jahren hier im Sprengelkiez, in der Tegeler Straße. Vorher wohnten wir in Lichterfelde am Hindenburgdamm. Mein Mann war dort Hauswart, und wir wohnten dort in der Hausmeisterwohnung. 1988 erkrankte mein Mann schwer und konnte seine Arbeit als Hausmeister nicht mehr ausführen. So mussten wir in eine andere Wohnung umziehen. Die Hausverwaltung hat uns damals dabei geholfen und bot uns die Wohnung in der Tegeler Straße an, in der wir heute noch wohnen.

Was gefällt Ihnen hier im Kiez, und was eventuell weniger? Und was sollte im Kiez besser oder anders gemacht werden?

Probleme gibt’s in jedem Kiez. Das Zusammenleben mit den Nicht-Deutschen klappt einigermaßen. Aber am Sparrplatz ist das alles nicht so schön. Es gibt dort junge Leute, die ziemlich viel provozieren. Es gibt da viele Spannungen zwischen Nicht-Deutschen und Deutschen. Das finde ich alles schlimm. Man muss doch zusammenleben können, so wie hier in der Osterkirche. Ich muss doch mit den anderen auskommen.

Ansonsten finde ich es hier schön. Die Gegend ist schön, die Leute sind toll. Überall gibt es ein paar Gute und auch ein paar Spinner.

Die dreckigen Bürgersteige mit den „Tretminen“ – das ist ein ständiges Problem. Warum machen die Hundebesitzer das nicht selber weg?

Was sind Ihre besonderen Wünsche?

Dass wir alle hier in Frieden leben könnten. Das wäre so schön.

Was verbindet Sie mit der Osterkirche?

Ich war schon lange standesamtlich verheiratet, wollte dann aber unbedingt auch kirchlich getraut werden. Reimer Piening, der damalige Gemeindepfarrer, hat uns dann getraut. So kam ich zur Osterkirche. Ich bin als Kind getauft, dann aber nicht mehr konfirmiert worden. Viele Leute sagten mir, dadurch könnte ich nicht kirchlich heiraten. Reimer Piening sagte damals, dass dies alles doch ginge – und so ist es dann auch geschehen.

Mein zweiter Sohn Marcel ist hier in der Osterkirche konfirmiert worden, und zwar ebenfalls bei Pfarrer Reimer Piening. Alle 8 Wochen fuhren die Konfirmanden damals weg. Marcel hatte als Konfirmationsspruch das Motto der Osterkirche gewählt „Ich lebe und ihr sollt auch leben.“ Bei der Konfirmation war die Kirche total voll, die Emporen waren alle besetzt. Alle Jugendbetreuer waren dabei.

1998 wurde mein Enkel Niklas hier getauft, auch durch Reimer Piening. Und vor drei Jahren wurde dann eines meiner Patenkinder hier getauft – wieder von Reimer.

Reimer Piening war und ist für uns unheimlich beliebt – auch heute noch.

Und schließlich gehöre ich zum Team „Laib und Seele“ und mache jeden Freitag her bei der Lebensmittelausgabe mit.

Welches ist Ihre Lieblingsstelle in der Bibel, und was bedeutet sie Ihnen?

Für mich eindeutig: „Ich lebe und ihr sollt auch leben.“

Das ist für mich ein ganz starkes Bibelwort. Diesen Ausspruch, den finde ich unheimlich schön. Denn das haut hin.

 

Rosemarie Dag ist im November 2015 in Berlin verstorben. Sie wurde 63 Jahre alt.