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k09 alexandra kastName: Alexandra Kast

Alter: geboren 1978 in Berlin

wohnt in: einer schönen großen Wohnung mit Garten und Balkon und natürlich im Sprengelkiez.

Beruflicher Werdegang:

Ich habe Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität studiert und nebenbei im Callcenter gejobbt. Nach einem zweisemestrigen Aufenthalt in New York war mir klar, dass ich mich auf Stadtsoziologie spezialisieren möchte. Und ich wollte einen Nebenjob machen, der auch was mit meinem Studium zu tun hat. So habe ich 2001 im Quartiersmanagement Soldiner Straße als studentische Mitarbeiterin angefangen. Als ich 2005 mit meinem Diplom fertig war, wurde gerade eine Stelle frei. Seitdem bin ich Quartiersmanagerin.

Wie sind Sie in den Sprengelkiez gekommen?

Im Sommer 2007 wurde die Trägerschaft für das QM Sparrplatz neu ausgeschrieben, und mein Arbeitgeber, die L.I.S.T. GmbH, wollte sich darauf bewerben. Mir wurde die Teamleitung angeboten, eine ganz neue Herausforderung für mich. Nach einem sonntäglichen Erkundungs-Spaziergang hier im Kiez war mir klar: Das mache ich! Und ich habe es nicht bereut.

Was gefällt Ihnen hier im Kiez, und was eventuell weniger?

Ich bin immer wieder davon beeindruckt, wie viele Menschen gerade hier im Sprengelkiez bereit sind, ihre Zeit und ihre Kraft für das Gemeinwesen einzusetzen. Das wird von der Politik ja immer gefordert, aber es bleibt eine freiwillige Sache. Und hier im Kiez ist es Realität.

Schwierig finde ich manchmal, dass das Zusammenleben verschiedener Gruppen eben nicht spannungsfrei ist. Die einen mögen es laut, die anderen leise. Die einen wollen Ordnung und Sauberkeit, den anderen ist das nicht so wichtig. Das ist auch verständlich. Aber manchmal merke ich, dass es die Erwartung gibt, die Leute die man nicht mag, sollen doch irgendwie verschwinden. Und das wird natürlich nicht passieren, und das müssen wir vom QM dann auch ganz deutlich sagen.

Was sollte im Kiez besser oder anders gemacht werden?

Oft sieht jeder einzelne nur seine eigene Perspektive. Da möchte manche Initiative einen eigenen Raum für sich, statt mit anderen etwas gemeinsam zu machen. Oder es gibt Neid und Konkurrenz, wo doch eigentlich gemeinsame Interessen bestehen.

Was sind Ihre besonderen Wünsche?

Es tut weh wenn man sieht, wie viel hier in den letzten Jahren erreicht wurde, welche wichtige Arbeit unsere Schulen, unsere Kinder- und Jugendeinrichtungen, unsere Nachbarschaftsinitiativen leisten, und dann gibt es keine Möglichkeit, die Arbeit auf sichere Beine zu stellen, weil es hierfür kein Geld gibt. Ich glaube, dass unsere Kieze dauerhaft verstärkte Ressourcen brauchen, damit die dringenden Aufgaben vor Ort angepackt werden können. Ein zeitlich befristetes Sonderprogramm wie die „Soziale Stadt“ kann hier nur ein Anschub sein.

Was verbindet Sie mit der Osterkirche?

Als wir zu Beginn als neues Team hier angefangen haben, haben wir zuerst versucht herauszu­finden, wer denn so die wichtigen Partner im Quartier sind. Der Name „Osterkirche“ fiel da sehr oft. Und als ich die Arbeit der Gemeinde näher kennen gelernt habe, war ich sehr positiv beeindruckt: Eine Gemeinde, die nicht nur für sich selbst existiert, sondern auch wirklich im Kiez verankert ist und versucht, hier ganz konkret den Menschen etwas anzubieten, aber sich auch einmischt. Sei es das Projekt „Laib und Seele“, sei es, dass der Kirchenraum auch Bürgerinitiativen oder dem Quartiersrat offen steht, sei es die Präsenz auf fast allen Veran­staltungen hier im Kiez. So sollte eine moderne Gemeinde eigentlich sein, aber das ist nicht selbstverständlich.

Und was wollen Sie den Menschen hier im Sprengelkiez mit auf den Weg geben?

Das Glas ist nicht halbleer, sondern halbvoll

Welches ist Ihre Lieblingsstelle in der Bibel, und was bedeutet sie Ihnen?

Ich weiß nicht genau, wo das steht.* Aber ich mag die Szene gerne, wo Jesus mit den Jüngern auf dem See Genezareth ist und Petrus auffordert, mit ihm auf dem Wasser zu gehen. Das gelingt Petrus sogar zunächst, aber in dem Moment, wo er darüber nachdenkt, was er da eigentlich tut, bekommt er Angst und beginnt, einzusinken. „Du Kleingläubiger, warum hast Du gezweifelt?“ antwortet Jesus ihm. Ich finde das ist ein schönes Sinnbild dafür, dass die größten Hindernisse in unserem Leben oft wir selbst sind mit unseren Zweifeln und unseren Ängsten.

* Die Redaktion: Es steht bei Matthäus 14, 31.