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k02 klaus wolfermannName: Klaus Wolfermann

Alter: Lag der Ursprung in einer kalten Winternacht oder im fröhlichen Karneval, ist unge­klärt. Jedenfalls erblickte ich das Licht der Welt in Schöneberg im Monat November. In der nächsten Nacht brannten die Synagogen.

wohnt in: Berlin-Wedding, Sparrstraße

Familie: Auch die nächsten Jahre nach der Geburt blieben recht finster. Übrig blieben zwei von drei Brüdern und eine alleinerziehende Mutter.

Es gab Spielplätze bis zum Horizont und eine realistische Anleitung zur Bescheidenheit. Als die Mutter eine Lehrerinnenstelle erhielt, gab es noch Hauswirtschaft für alle vier. Es hat nicht geschadet.

 

Schule und Beruf – wie war da Ihr Weg?

In der Schule war ich „einer der interessiertesten Schüler, nur unterrichten wir leider nicht die Fächer, für die er sich interessiert“. So besuchte ich sehr ausgedehnt verschiedene Schulen, ohne das Abitur zu machen. Das meiste des andressierten Wissens habe ich inzwi­schen vergessen – kann man wohl auch.

Nach dem Fachschulabschluss als Fotomechaniker ist mir dann eine Traumstelle in den Schoß gefallen: Über 40 Jahre lang habe ich die Fotoarbeiten und die Dia-Sammlung der FU-Geographen (Freie Universität Berlin) betreut. Das Abi habe ich neben der Vollstelle dann doch noch nachgeholt und noch eine gewisse Zeit nebenbei Geologie studiert. Aber arbeitsloser Geologe war nicht so zukunftsträchtig wie die feste Stelle, bei der ich so viel lernen konnte und wollte, wie es durch ein Studium gar nicht möglich gewesen wäre. Noch dazugelernt habe ich durch Gewerkschaftsarbeit, Personalratstätigkeit, im Fachbereichsrat und als Betriebsgruppenzeitungsmacher.

Wie sind Sie in den Sprengelkiez gekommen?

1969 bin ich in eine Bruchbude im Haus meiner Mutter gezogen und habe gelernt, wie man Elektrik legt, Fenster austauscht, Wände begradigt, und was der Dinge mehr sind.

Wie ging es weiter?

Im Jahr 1969 wurde auch geheiratet. Es hielt 13 Jahre – sicher nicht wegen des fehlenden kirchlichen Segens, sondern als Endfolge einer drohenden Kahlschlagsanierung, die Anfang der achtziger Jahre gerade modern war, und teuer. Drei Jahre Kampf mit Bürokratie und Zerstörung, bis die Sparrstraße so wurde, wie sie jetzt ist. Übrig blieben ein Drittel Magen und 170 cm Akten.

Was gefällt Ihnen gut im Sprengelkiez?

Schön finde ich den Kiez deswegen (als Ergebnis der „Sanierung“) immer noch nicht, aber nach wie vor sehr interessant. Mir gefällt besonders die Vielfalt der Menschen, das Wohn­gebiet mit den belebten Straßen, die verkehrsgünstige Lage mit Parkplätzen und guten Einkaufsmöglichkeiten, das große Grün- und Freiflächenangebot, das breite Angebot für Kinder.

Was gefällt Ihnen nicht im Sprengelkiez?

Die Einfalt der Menschen und das Nebeneinander; das mangelnde Umweltbewusstsein: Dreck, Schmierereien und Zerstörungen; vergammelte Grünanlagen, vor allem in den Schulen; der Lärm durch die Bahn, durch Hubschrauber und Lalülala; die mangelnde Ver­kehrsdisziplin; die prekäre Bevölkerungsstruktur; die teilweise zu dichte Bebauung.

Was sollte im Kiez besser oder anders gemacht werden – was sind Ihre besonderen Wünsche?

Das damalige Miteinander ist mir zu sehr in alltägliches Nebeneinander übergegangen, aber wir arbeiten im Quartiersrat ja daran.

Ich wünsche mir Straßensozialarbeiter, die sich um Alkoholiker, abhängende Jugendliche mit Aggressionspotential und um Bevölkerungsteile kümmern, aus denen diese Problem­gruppen entstehen; mehr Angebote, Betreuung von alleingelassenen Jugendlichen; Ver­knüpfungen mit Bayer, Vattenfall, Rudolf-Rirchow-Klinikum und der TFH; Verbindung des Uferwanderweges unter der Fennstraße mit dem Nordhafen.

Lehrt Kinder, Jugendliche und ältere Menschen, die Verantwortung für sich, ihr soziales Umfeld und die Umwelt zu übernehmen. Lasst uns eine Kiezgemeinschaft der Wohlmeinen­den bilden.

Was verbindet Sie mit der Osterkirche?

Nach der Berentung vor fünf Jahren riss der Kontakt zu den im südlichen Berlin beheimate­ten Kollegen ab und ersetzte sich wie von selbst mit reichlich Kontakten im Kiez – wie Kiezrat, Aktiv im Kiez e.V., Quartiersrat, Pflege des aufgelassenen Schulgartens der Grimmschule und Förderverein der Osterkirche. Das Leben muss früher ziemlich langweilig gewesen sein.

Und was wollen Sie den Menschen hier im Sprengelkiez mit auf den Weg geben?

Es gibt hier im Kiez viele menschliche Perlen, christlichen und anderen Glaubens – wir soll­ten sie mehr suchen und besuchen. Sicher sind zuweilen ein paar schlechte Seiten umzu­blättern, bis man zu den guten kommt. Aber es lohnt sich

Zwar können Rennert, Achter, Wolfermann und andere den Gläubigen ihr Haus begrünen, aber mit Leben füllen müssen sie es selber.

Der Förderverein erwartet Sie. Kommet zuhauf!

Klaus Wolfermann ist im May 2017 in Berlin verstorben.