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MO 44, eine Osterkirche, die wie eine Eins steht und eine ökomenische Putzhilfe

 

Er lehnt am Gitter rechts vor der Kirchentür, blinzelt in die Mittagssonne und schaut den Vorrübergehenden nach. Wie aus heiterem Himmel steht sie mit einem Mal neben ihn:

„Na, wie geht’s? War was los?“


„Danke, ja war am Sonnabend eigentlich ein ganz schönes Konzert. Im ersten Teil haben Rosy’s Chöre gesungen und eine fröhliche Stimmung verbreitet. Im zweiten Teil ging es dann richtig ab. Die Band Mo 44 spielte und brachte die Kirche so richtig in Schwingung. Gut, dass das Dach zur Zeit offen ist, so konnte sich der ermutigende Gesang über den ganzen Sprengelkiez ausbreiten. Hoffentlich kommen die bald wieder. War eine fröhliche Sache.“


„Apropos Dach. Weißt Du, was die da machen? Seit Monaten doktern die da doch dran rum.“
„Nee, weiß ich auch. Das ist bei den alles top secret. Die erzählen nicht viel. Hab‘ neulich mal einen von den Wichtigen gefragt. Hat mit vielen Worten eigentlich nichts gesagt. Ich glaub‘, die wissen selbst nicht so genau Bescheid.“
„Meinst Du die kriegen das irgendwie hin?“


„Doch, doch. Die Kirche ist ja nun mehr als 100 Jahre alt. Sie hat den Bombenangriff am Ende des zweiten Weltkrieges überstanden. Sie steht immer noch wie eine Eins. Sie ist doch quasi der Orientierungspunkt für alle hier im Kiez. Da wird es denen doch jetzt nicht gelingen, die Kirche kaputt zu machen. Die Osterkirche hat ganz andere Zeiten überlebt und überstanden.“
„Na, Dein Optimismus möchte ich haben.“


„Was heißt Optimismus? Das ist Gott Vertrauen. Kirchen sind doch Orte, an denen der Himmel auf die Erde reicht und Gott dort die Menschen berührt. Also, glaub‘ mir: Das klappt. Die Osterkirche wird auch wieder einmal dicht sein, also ein heiles Dach haben.“


„Wüsste trotzdem gern, was die da machen.“

„Wenn ich einen von denen treffe, frag‘ ich sie noch einmal etwas genauer. Vielleicht kann ich Dir dann mehr erzählen.“
„Dann sag denen doch auch mal, dass sie diesen Strick als Türöffner durch einen Haken ersetzen sollen.“ Dabei zeigte sie auf ein ziemlich zotteliges weißes Band, das an der Kirchentür festgemacht ist und mit dem die Kirchentür offengehalten wird.
„Hast Recht, schön ist etwas anderes.“


„So, muss weiter: War sonst noch was“?
„Hans-Peter Meyendorf hat aus Dänemark mal wieder vorbei geschaut. Hatte den Eindruck, dass sich ganz viele aus der Gemeinde über seinen Besuch gefreut haben. Scheint ihm jetzt recht gut zu gehen.“


„Sonst noch was?“
„Am Sonntag Gottesdienst mit Kindergottesdienst. Anschließend sind ein paar aufgebrochen und haben die Stolpersteine hier im Kiez, die an die Opfer aus der Nazizeit erinnern, geputzt. Hatten eigentlich nicht viel zu tun. Denn die meisten Steine waren schon geputzt. Nur der vor der neuen Bischofskirche in der Müllerstraße glänzte nicht. Da haben die aus der Ostergemeinde quasi ökumenische Putzhilfe geleistet.“


„Danke für Deine Information. Mach’s gut. Tschüs“
„Du auch“.


Sie geht weiter, er schaut auf den weißen Strick: „Recht hat sie, sieht wirklich nicht schön aus. Muss mal sehen, ob ich irgendwo so einen Haken bekomme.“


Dann geht er auch und denkt dabei daran, was ihm neulich ein alter Oster-Mensch gesagt hat: Die Gemeinde ist auf freiwilliges Mittun angewiesen. Anders kann die gar nicht überleben. So war das vor hundert Jahren, so ist das heute, so wird es morgen sein….