Gedanken zum Tage, 19.3.2020 von Pfr. Haak


Liebe Freundinnen und Freunde der Ostergemeinde, liebe Gemeinde,
 
heute Früh ging mir eine Zeile aus einem modernen Kirchenlied durch den Kopf:
 
Wo Mensch sich vergessen,
die Wege verlassen und neu beginnen, ganz neu,
da berühren sich Himmel und Erde,
dass Frieden werde unter uns. (Singt Jubilate Nr. 176)
 
Erst dachte ich, ja so ist das dieser Tage: Die Menschen vergessen sich, jede und jeder denkt an sich selbst zuerst:
Beim Einkaufen geht es eher zu wie bei der Jagd, die letzte Konservendose gehört dem, der schneller ist und nicht dem, der sie am nötigsten braucht.
In den Nachrichten höre ich davon, dass das Europa, einst auf dem Weg in die Einigkeit, wieder zerbricht in Länder, die die Grenzen gegeneinander abriegeln.
Das Corona-Virus hat eine asoziale Dimension, die noch gefährlicher ist, als die Krankheit, die es überträgt, selbst.
 
Ja so ist das,
und dann nehme ich wahr, wie die die Menschen sich gerade nicht vergessen:
Auch wenn wir Zuhause bleiben müssen bzw. sollten, wir vergessen uns nicht. Das gute alte Telefon wird mehr benutzt, mehr telefoniert als sonst. Wir vergessen einander nicht, rufen an, ganz von selbst geht es los, gerade die, die keinen Zugang zum Internet haben, bleiben so in Verbindung mit Geschwistern aus der Gemeinde.
Auch wird gemailt, gepostet, getwittert, dass die Datenleitungen glühen.
Während ich eine eMail schreibe, erhalte ich ich drei neue, die irgendwann auch Antwort oder Weiterleitung bekommen. Und keine soll vergessen werden und keiner, damit das soziale Netzwerk dicht und dichter wird!
 
Wir beginnen neu und verlassen vertraute Wege, um auf andere Art und Weise füreinander da zu sein.
 
Wo das passiert, da berühren sich Himmel und Erde und Friede wird, singt das Lied.
 
Und so wird mir das Lied, dass sich zuerst ganz vorbei an unserer jetzigen Situation anhört, doch zu einem geistlichen Leitwort in diesen anderen Zeiten.
 
Mit Friedenswunsch Pfarrer Thilo Haak